Wer mit Computern arbeitet, kennt die Spam-Mails, vor allem aus den USA: Da werden Pillen mit Wachstumshormon (Growth Hormone: GH) gegen alle möglichen Beschwerden angepriesen, vor allem gegen das Altern. Schon 1988 und 1990 haben die Behörden in den USA aber klargestellt, dass der Einsatz von GH nur in bestimmten medizinischen Fällen in Frage kommt.

Zu den medizinischen Indikationen gehören bei Kindern: Kleinwuchs mit einer abweichenden Körpergröße von mehr als zwei Standardabweichungen, GH-Defizit, schlechtes Wachstum als Folge von Nierenversagen, Turner-Syndrom, Prader-Willi-Syndrom und andere. Bei Erwachsenen sind nur zwei Indikationen denkbar: eine subnormales Ergebnis im GH-Stimulationstest und ein GH-Defizit zum Beispiel als Folge des Hypopituitarismus.

Eine US-amerikanische Untersuchung hat jetzt die Daten zum Einsatz von GH zusammengetragen und folgendes festgestellt: In den USA hatte der illegale Handel mit GH im Jahre 2004 ein Marktvolumen von rund 622 Mio. US-Dollar. 74 Prozent der Pillen gingen an Menschen über 20 Jahre und 43,7 Prozent an Personen, die älter als 40 Jahre waren.

Die meisten Verwender werfen sich die GH-Pillen deswegen ein, weil sie sich einen Anti-Ageing-Effekt davon versprechen. Mitunter wollen Athleten damit auch ihren Körper aufbauen. Tatsächlich kann GH helfen, den Muskel aufzubauen. Studien haben aber gezeigt, dass dieser Effekt vorübergehend ist und nach 24 Monaten wieder verschwindet. Außerdem ist GH nur in injizierter Form bioverfügbar. Schon aus diesem Grunde taugt es nicht als Nahrungssupplement.

Dagegen hat GH nicht unerhebliche Nebenwirkungen. Dazu gehören unter anderem Arthralgien, Myalgien, Ödeme, Karpaltunnelsyndrom, Glukoseintoleranz und Hypertriglyceridämie. Kaum eine Studie hat sich bislang mit den Langzeitwirkungen des Wachstumshormon beschäftigt.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American Medical Association 205, Vol. 294, S. 2086-2090