Wahrnehmung von Impfrisiken

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Wer im Internet viel über Impf-
risiken liest, lässt seine Kinder
seltener impfen; © SXC

"Schon eine einfache google-Suche nach dem Stichwort 'impfen' führt neben Seiten von Pharmafirmen und der öffentlichen Hand schnell auf Internetangebote dezidierter Impfkritiker und -gegner. Dort finden Eltern neben impfkritischen Argumenten häufig emotionale und persönliche Berichte, die von negativen Erlebnissen nach der Impfung berichten", sagt Doktor Cornelia Betsch, Diplom-Psychologin an der Universität Erfurt.

Unter ihrer Leitung hat eine Reihe von Online-Studien an der Universität Erfurt belegt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Surfen auf impfkritischen Internetseiten und sinkenden Impfintentionen gibt. Betsch konnte zeigen, dass Einzelfallberichte eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung spielen, da sie ein Gefühl der Bedrohlichkeit auslösen und so auf das wahrgenommene Impfrisiko wirken. Auch langfristig wirkt sich eine erhöhte Risikowahrnehmung aus: Eltern, die das Risiko des Impfens für hoch halten, ließen ihre Kinder im Untersuchungszeitraum von fünf Monaten seltener impfen.

Weitere Studien befassen sich mit der Frage, wie im Internet Impfkampagnen beziehungsweise die Kommunikation von fehlendem Risiko wirken. Dabei zeigte sich, dass im Zusammenhang mit impfkritischen Informationen die Verwendung von Warnungen zu niedrigeren Impfintentionen führte als bei Kampagnen, die auf die Vorteile des Impfens abzielten. Betsch: "Aber auch das völlige Dementieren eines Risikos ist unter Umständen nicht von Vorteil. Die Impfintentionen waren - wie wir feststellen konnten - höher, wenn ein Risiko als minimal dargestellt wurde, als wenn es als null dargestellt wurde".

"Praktiker können aus den Ergebnissen unserer Studien ableiten, dass es ratsam ist, Eltern die Wirkung von Einzelfallberichten klar zu machen", erläutert Betsch. "Außerdem sollten Risiken nicht verschwiegen oder verleugnet, sondern relativiert werden. Dabei sollte man keine Warnungen verwenden, aber über die Erkrankungsrisiken und deren Folgen aufklären, um Eltern eine informierte Entscheidung zu erlauben."

MEDICA.de; Quelle: Universität Erfurt