Trotz jahrzehntelanger Kampagnen gegen die weibliche Beschneidung ist diese Art der Genitalverstümmelung noch weit verbreitet in manchen Gegenden der Welt. Bei der weiblichen Beschneidung handelt es sich um einen Eingriff, bei dem ohne medizinische Indikation Teile der weiblichen Genitalien abgeschnitten werden. Etwa 90 Prozent aller Frauen im nördlichen Sudan haben sich dieser Prozedur unterziehen müssen. Vermutlich wird die weibliche Beschneidung auch in Europa unter Migranten praktiziert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt zwar regelmäßig Zahlen zu weiblichen Beschneidungen, die auf Selbstauskünften der Frauen beruhen. Doch wie zuverlässig sind diese Statistiken?

In einem Kinderkrankenhaus sowie einer ambulanten gynäkologischen Klinik von Khartoum, Sudan, hat man dies jetzt näher untersucht: 255 Mädchen im Alter zwischen vier und neun Jahren und 282 Frauen zwischen 17 und 35 Jahren nahmen daran teil. Alle Mädchen beziehungsweise Frauen gaben Auskunft darüber, ob sie beschnitten worden waren.

Danach untersuchte man ale Probandinnen gynäkologisch. Von jenen Teilnehmerinnen, die angaben, nicht beschnitten zu sein, war tatsächlich keine Frau beschnitten. Einige gaben an, sie seien einer „Sunna-Beschneidung“ unterzogen worden, bei der das Präputium und Teile der Klitoris entfernt werden. Tatsächlich aber war bei vielen dieser Mädchen und Frauen die Beschneidung weitreichender als sie selbst angaben: Bei ihnen waren nämlich fast die gesamten externen Genitalien beschnitten worden. Die Studienautoren folgern daraus, dass die Zahl der Beschneidungen, wie sie von der WHO gemeldet wird, sehr wahrscheinlich der Realität sehr nahe kommt. Allerdings dürfte das Ausmaß der Beschneidungen größer sein, als von der WHO gemeldet.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2006, Vol. 333, S. 124