Orthopädie: Wann sind Operationen notwendig?

30.09.2013
Foto: Operation

Mit Ausnahme von Notfallsituationen sollte eine Operation erst erfolgen, wenn die konservative Behandlung erfolglos bleibt; © panthermedia.net/ Monkeybusiness Images

Arthrose, Osteoporose und Rückenschmerz – an jeder dieser Erkrankungen leiden Millionen von Menschen in Deutschland. Für die auch als orthopädische Volkskrankheiten bezeichneten Leiden stehen gute operative Therapien zur Verfügung. Orthopäden raten jedoch dazu, zunächst konservative Behandlungsmethoden anzuwenden.

Fast jeder zehnte 45-Jährige leidet unter Arthrose. Osteoporose trifft rund 6,5 Millionen Menschen und von Rückenschmerzen ist fast jeder betroffen. Meist treibt erst der Schmerz diese Patienten in die Praxis eines Orthopäden und Unfallchirurgen. „Vordringlicher Wunsch der Betroffenen ist dann zunächst eine effiziente Schmerztherapie“, erläutert Prof. Bernd Kladny. „Für Schmerzen bei Erkrankungen des Bewegungssystems und bei Verletzungen ist der Orthopäde und Unfallchirurg ausgewiesener Experte und kompetenter Ansprechpartner.“ Ihm stehe eine Vielzahl medikamentöser und nicht-medikamentöser Verfahren zur Verfügung.

Um eine individuelle effektive Therapie zu planen, muss jedoch zunächst diagnostiziert werden, welche strukturellen Veränderungen im Bewegungssystem für das Beschwerdebild verantwortlich sind. Nur so seien auch Folgeerkrankungen vermeidbar. Beispielsweise könne die Hälfte aller osteoporotisch bedingten Knochenbrüche durch eine adäquate Behandlung vermieden werden. „In Deutschland erhalten jedoch nur etwa 10 bis 20 Prozent der Patienten bei Osteoporose eine leitliniengerechte Therapie“, so Kladny, Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Traumatologie an der Fachklinik Herzogenaurach.

Fester Bestandteil der Therapie von orthopädischen Volkskrankheiten ist in jedem Fall die regelmäßige Bewegung. Sie darf nicht auf die angeleitete Bewegungstherapie beschränkt bleiben, auch im Alltag sollten die Patienten körperlich aktiv sein. Denn Bewegung dient gleichzeitig der Prävention weiterer Schäden. Besonders deutlich wird dies bei der Osteoporose: „Kontinuierliche körperliche Belastung sorgt dafür, dass Knochenmasse aufgebaut wird und die Knochendichte zunimmt", erläutert Prof. Andreas Roth, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Rheumatologie, Osteologie, Spezielle Orthopädische Chirurgie und Chirotherapie am Waldkrankenhaus Eisenberg. Immobilisation dagegen führe zu einem Verlust an Knochenmasse.

Zu einer effektiven Osteoporose-Prävention gehören daher die Schulung der Koordination, das Training der Muskelkraft und die Vermeidung von Stürzen. Außerdem sollten sich gefährdete Personen kalziumreich ernähren, auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D achten und Untergewicht vermeiden. Neben schmerzlindernden Mitteln stehen für die Therapie und Prävention der Osteoporose auch zahlreiche Medikamente zur Verfügung, die den Knochenaufbau unterstützen. „Mit einer Kombination all dieser konservativen Maßnahmen lässt sich eine Osteoporose in den meisten Fällen wirksam behandeln", betont Roth. Selbst wenn bereits eine Fraktur aufgrund von Osteoporose aufgetreten sei, müsse gerade im Bereich der Wirbelsäule nicht zwangsläufig operiert werden. In jedem Fall bedarf es aber schmerzlindernder Maßnahmen, damit der Patient rasch wieder mobil werde.

Auch zur Behandlung von Gelenkverschleiß und Rückenschmerzen gibt es vielfältige Optionen der nicht-operativen Behandlung. Für Kladny und Roth ist der Griff zum Skalpell daher erst die zweite Wahl. Mit Ausnahme von Notfallsituationen sollte eine Operation erst erfolgen, wenn die konservative Behandlung erfolglos bleibt. Eine zunehmende Verunsicherung der Patienten bei den zahlreichen Berichten über die Operationshäufigkeit in Deutschland dürfe aber nicht dazu führen, dass notwendige hilfreiche Operationen unterlassen werden. „Es bedarf eines gut abgestimmten Ablaufs in der Behandlung, in dem nicht-operative und operative Behandlungen ihren berechtigten Platz haben. Es geht nicht um entweder oder, sondern um sowohl als auch“, so Kladny.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie