Warum Entzündung müde macht

Photo:Querschnitte durch das Gehirn von Mäusen

Magnetresonanztomografische
Querschnitte durch das Gehirn von
Mäusen mit Arthritis vor (oben) und
nach Hemmung von Tumornekrose-
faktor (unten) ;©PD Dr. Andreas
Hess/ Universität Erlangen-Nürnberg

Die Wissenschaftler identifizierten einen Botenstoff, der die Kommunikation zwischen Immunsystem und Gehirn entscheidend steuert.

Für ihre Studie untersuchten die Erlanger Forscher Patienten mit rheumatoider Arthritis, einer der schwerwiegendsten Autoimmunkrankheiten, sowie Mäuse, die aufgrund eines Gendefektes eine ganz ähnliche Erkrankung zeigen. Sowohl Menschen als auch Mäuse leiden unter entzündeten Gelenken und damit verbundenen starken Schmerzen. Hinzu kommen in vielen Fällen Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und Depressionen.

Bekannt war bisher, dass diese Symptome im zentralen Nervensystem entstehen. Wie jedoch die Immunabwehr und die Entzündung in den Gelenken das Nervensystem beeinflussen, konnte die Wissenschaft bisher nicht erklären.

Mithilfe einer speziellen Aufnahmetechnik für die funktionelle Magnet-Resonanztomografie an narkotisierten Mäusen, die Privatdozent Andreas Hess vom Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie und Professor Kay Brune, Doerenkamp-Stiftungsprofessur für Innovationen im Tier- und Verbraucherschutz, entwickelt haben, konnten die Forscher jetzt neue Erkenntnisse gewinnen.

Bei der Analyse der Aufnahmen von Mäusehirnen entdeckte das Team, dass ein wesentlicher Entzündungsbotenstoff – der so genannte Tumornekrosefaktor alpha – zwischen Immunsystem und Gehirn vermittelt und dabei auch die Schmerzwahrnehmung entscheidend beeinflusst. Diesen Effekt konnten die Forscher auch beim Menschen beobachten.

„Interessanterweise werden Medikamente, die den Tumornekrosefaktor alpha hemmen, schon weltweit erfolgreich zur Behandlung von rheumatoider Arthritis eingesetzt“, sagt Professor Schett. „Warum aber diese Therapien so rasch zu einer Linderung dieser chronischen Erkrankung führen, war bisher unbekannt. Dabei dämpfen die Medikamente die Schmerzen und steigern das Wohlbefinden noch bevor die Entzündung abgeklungen ist.“

Diese Wirkung können die Erlanger Forscher nun erklären: Hemmt man den Tumornekrosefaktor, verringert sich die Schmerzempfindlichkeit im Gehirn, und auch die psychischen Veränderungen wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit werden positiv beeinflusst.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg