Bild: Zuckerwürfel 
Die Überzuckerung treibt
Zellen in den Selbstmord
© BirgitH/Pixelio

Das haben Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg entdeckt. Außerdem konnten die Forscher im Tiermodell zeigen, dass zwei verschiedene Stoffe in der Lage sind, vor dem Zelltod und damit vor dem schleichenden Nierenversagen zu schützen. Es handelt sich dabei um das Antibiotikum Minocyclin sowie das Signalprotein "Aktiviertes Protein C" (APC).

Giftstoffe im Harn werden in den Nieren von unzähligen winzigen Gefäßknäuel, den Glomeruli, herausgefiltert. Warum die Filter bei Diabetikern im Laufe der Jahre Schaden nehmen, war bislang unklar. "Wir konnten zeigen, dass die Unterdrückung des so genannten Protein-C-Signalweges in den Nierenzellen dazu führt, dass diese sozusagen Selbstmord begehen", erklärt Dr. Berend Isermann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Endokrinologie und Stoffwechsel der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg.

Mit Hilfe gentechnisch veränderter Mäuse fanden die Wissenschaftler heraus, dass bei Diabetes ein Schlüsselprotein innerhalb des Signalwegs nicht gebildet wird, das so genannte Aktivierte Protein C (APC). Dadurch nimmt eine an sich positive Reaktionskette in der Zelle eine bösartige Wendung: Die Mitochondrien in den Glomerulus-Zellen funktionieren nicht mehr. "Diese Störung der Energieversorger der Zelle führt schließlich zum Zelltod", so Dr. Berend Isermann. Warum Überzuckerung diese Signalskaskade so empfindlich stört, ist noch unklar. "Vermutlich führen bei Diabetes freigesetzte Entzündungsbotenstoffe sowie freie Sauerstoffradikale zu dieser Störung."

Ein weiterer Befund: Diabetische Mäuse, die das APC infolge eines gentechnischen Tricks ausreichend selbst herstellen, sind vor dem Zelltod und damit vor dem schleichenden Nierenversagen geschützt. Doch diese Therapie funktioniert bisher nur im Labor. Da APC auch die Blutgerinnung beeinflusst, müssen zunächst Varianten dieser Substanz gefunden werden, die ein anderes Wirkprofil haben. Eine weitere Therapiemöglichkeit gibt dennoch Anlass zu Hoffnung: Interessanterweise zeigten Versuche an Mäusen, dass die Behandlung mit dem Antibiotikum Minocyclin vor den diabetesbedingten Veränderungen in den Nieren schützt.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg