Warum kranke Nieren plötzlich Eiweiß verlieren

Löcher in der Niere stopfen -
Diabetespatienten erleiden oft
Nierenschäden; © Picture Disk

Eine Bochumer Forschergruppe ist zu neuen Erkenntnissen über die glomerulären Schlitzmenbrane, den sehr feinen Filter der Nierenkörperchen, gelangt. "Es ist bekannt, dass dieser Filter innerhalb von Stunden mit vermehrter Durchlässigkeit auf Medikamente reagieren kann und andere Medikamente diesen Effekt - zumindest zum Teil - wieder aufheben können", erklärt Dr. Ivo Quack von der Nephrologie am Marienhospital Herne. Wie das auf Molekülebene funktioniert war aber unbekannt.

Quack und seine Mitarbeiter entdeckten nun einen Regulationsmechanismus, bei dem durch Phosphorylierung (binden einer Phosphatgruppe) von Nephrin, einem zentralen, Strukturmolekül der Schlitzembran der Nierenkörperchen, die Filterfunktion stabilisiert wird. Fehlt diese Phosphorylierung, dann bindet Nephrin an ein zweites Eiweiß (beta-arrestin2) und wird aus dem Filterverbund entfernt. Es entsteht ein Loch im Filter, durch das kostbare, größere Eiweiße mit dem Harn verloren gehen. Wird Nephrin wieder phosphoryliert, dann wird der Filter abgedichtet, das Loch schließt sich. Beim Gesunden besteht ein Fließgleichgewicht zwischen Lochentstehung und Verschließen der Löcher, so dass nur sehr wenige Eiweiße auf diese Weise dem Körper verloren gehen.

Beim Diabetes mellitus kommt es bei vielen Betroffenen nach mehreren Erkrankungsjahren zu einer Verschiebung des Fließgleichgewichtes zu Gunsten der Lochentstehung im glomerulären Filter. Dadurch gehen von Jahr zu Jahr immer größere Mengen an Eiweiß verloren. "Dies ist auch prognostisch ein schlechtes Zeichen für das Überleben des Patienten", erklärt Dr. Sellin. Die Entdeckung des Mechanismus gibt Anlass zu der Hoffnung, dass neue Medikamente, die die Nephrinphosphorylierung verstärken und die Nephrindephosphorylierung hemmen, den fortschreitenden Eiweißverlust der Niere verhindern oder zumindest aufhalten können.

MEDICA.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum