Wearables: Webportal WISS für den Austausch im Spitzensport

Interview mit Sebastian Prenger, Bundesinstitut für Sportwissenschaft Bonn, Fachbereich Forschung und Entwicklung, Fachgebiet Sporttechnologie

01.07.2016

Wearables wie Smartwatches und Fitnesstracker sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch im Spitzensport stehen diese Technologien in der Diskussion. Mithilfe dieser Geräte sollen Werte analysiert und das Training optimiert werden. Um den Austausch von Nutzern und Interessenten zu fördern, hat das Bundesinstitut für Sportwissenschaft gemeinsam mit der Innovationsmanufaktur das Webportal WISS (Wearables im Spitzensport) geschaffen.

Foto: Sebastian Prenger

Sebastian Prenger vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft; © privat

An wen sich die Plattform WISS richtet und welche Funktionen genutzt werden können, erklärt Sebastian Prenger vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft im Interview mit MEDICA.de.

Herr Prenger, wie werden Wearables im Spitzensport eingesetzt?

Prenger: Im Austausch mit unterschiedlichen Sportverbänden erfuhren wir, dass Wearables aktuell leider nur sehr vereinzelt eingesetzt werden. Jedoch ist das Interesse einzelner Sportler und Verbände sehr groß, zukünftig diese Technologien zu nutzen.

Es werden aber in Teamsportarten schon jetzt sogenannte Funk-Trackingsysteme eingesetzt, die Bewegungen und Positionierungen der Sportler online im Zentimeterbereich auflösen, analysieren und für Trainer und gegebenenfalls Zuschauer visualisieren. Hierbei tragen die Sportler die Funkmodule direkt am Körper. Daneben gibt es Wearables, die die Herzratenvariabilität messen, um das Stress- und den Regenerationslevel zu analysieren. Diese werden nach unserer Kenntnis im Mountain-Bike-Bereich vereinzelt eingesetzt.

Für den Austausch über solche Technologien haben Sie das Webportal WISS ins Leben gerufen. Wie ist die Plattform aufgebaut?

Prenger: Wir haben das Portal erstellt, um das Potenzial dieser Innovationen für den Spitzensport präsenter zu machen und den Informationsfluss zwischen Technologieentwicklern und der Sportpraxis zu fördern. Der Sport kennt zum Teil noch nicht alle Möglichkeiten, die mithilfe von Wearables heute verfügbar sind. Auch die Entwickler haben noch keinen genauen Überblick über das, was im heutigen Spitzensport benötigt wird.

Eingeteilt ist das WISS-Internetportal in zwei Bereiche. Einer ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Dort können aktuelle Nachrichten zum Thema Wearables gelesen werden und User können sich über Trends und Entwicklungen informieren. Das Forum und die Projektseite sind nur für registrierte Nutzer zugänglich. Dort ist es möglich, sich über Projektideen oder Anwendungsbeispiele auszutauschen. Registrieren können sich Vertreter und Vertreterinnen aus Sportpraxis, Technologie oder Wissenschaft. Jede Anfrage wird von uns vorab auf Plausibilität geprüft und dann freigeschaltet. Es ist aber natürlich jeder willkommen, der etwas dazu beitragen möchte, um den deutschen Spitzensport voran zu bringen.

Intern haben wir ebenfalls vier Projekte gestartet. Eins beschäftigt sich zum Beispiel mit der medialen Darstellung von Sportarten. Die Verbände können über das Netzwerk beispielsweise auch einen Hardware- oder Software-Entwickler finden, der sich an einem geplanten Projekt beteiligen möchte. Zu jedem Projekt wird automatisch im Forum ein geschlossener Bereich erstellt, welcher nur für die Mitglieder einsehbar ist, damit auch sensible Daten ausgetauscht werden können. Im offenen Forum kann man aber außerdem verschiedene Technologien vorstellen und über eigene Erfahrungen diskutieren. Denn es gibt viele Tools, die bei verschiedenen Sportarten anwendbar sind.

Das Angebot richtet sich vor allem an Sportler, Verbände, Wissenschaftler und Entwickler von Wearables.

Foto: Screenshot des Webportals WISS

Das Webportal WISS (Wearables im Spitzensport) ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Um Projekte starten zu können, müssen sich die User registrieren; © wiss-netz.de

Wie viele User haben sich bereits registriert?

Prenger: Das Portal ist zeitgleich mit unserem ersten Netzwerktreffen im Februar in Bochum online gegangen. Seitdem haben sich etwa 100 Mitglieder angemeldet. Zukünftig wollen wir aber unser Netzwerk noch weiter nach außen tragen und somit weitere Interessenten für unser Webportal gewinnen. Da sich unser Angebot an einen sehr ausgewählten Kreis richtet, steht bei uns die Anzahl der Mitglieder nicht an erster Stelle, sondern der Anspruch, fachliche User zu erreichen, die etwas bewegen wollen.

Wir haben seitdem die Homepage nochmal bearbeitet und Anfang Juni die Beta-Phase beendet. Das Design ist aber schon vorab optimiert wurden, sodass es für mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones angepasst ist.

Was können Sie mithilfe der Plattform zur Sportmedizin beitragen?

Prenger: Wearables können perspektivisch bestimmt einen großen Teil zur Diagnostik beitragen. Wir wollen mit unserer Plattform den Austausch und den vermehrten Einsatz dieser Technologien fördern sowie voneinander lernen. Außerdem gibt es auf den Seiten "Technologie", "Praxis" und "Wissenschaft" die neuesten Erkenntnisse zu Wearables mit oft großen Schnittmengen zum medizinischen Bereich. Aktuell haben wir das Thema Schädel-Hirn-Verletzungen im Sport in mehreren Beiträgen aufgegriffen. Ein intelligenter Mundschutz kann zum Beispiel auftretende Beschleunigungen messen und soll dabei helfen, Gehirnerschütterungen zu bemerken und dadurch weitere Gesundheitsschäden zu verhindern.

Hier geht es zum Webportal WISS: wiss-netz.de
Foto: Lorraine Dindas; © B. Frommann

© B. Frommann

Das Interview führte Lorraine Dindas.
MEDICA.de