Wearables in der Fabrik – Heute und in Zukunft

Interview mit Björn Weigel, Vorstandsvorsitzender, Bioservo Technologies AB

14.11.2016

Wearables wie Smartwaches oder Exoskelette können in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt werden, zum Beispiel auch in Fabriken. In seinem Vortrag "The future of wearable technology on the factory floor" im MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM spricht Björn Weigel über die Möglichkeiten, die Wearables bieten, und die Herausforderungen, vor denen die Entwickler noch stehen.

MEDICA.de sprach bereits im Vorfeld mit ihm über den Einsatz von Wearables in den Fabriken – heute und in Zukunft.

Bild: Mann mit Glatze und blauen Augen; Copyright: Bioservo Technologies AB

Das Thema des Vortrags von Björn Weigel auf dem MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM lautet "The Future of Wearable Technology on the Factory Floor"; © Bioservo Technologies AB

Welche Wearables gibt es zurzeit?

Björn Weigel: Grundsätzlich teilt Bioservo Wearables in "traditionelle" Technologien wie Smartwatches oder Smartphones und roboterhafte Technologien (wie zum Beispiel harte Exoskelette) ein. Der Bioservo SEM Glove™ mit seinen einzigartigen Fähigkeiten und seiner Technologie lässt sich dazwischen ansiedeln und kann als weiches Exoskelett bezeichnet werden. Weiche Exoskelette sind anwenderorientiert, das bedeutet, dass der Träger das Gerät vollkommen kontrolliert. Es ist leicht und folgt nahtlos den Bewegungen des menschlichen Körpers.

Welche Wearables kann man in Fabriken anwenden?

Weigel: Der SEM Glove™, zum Beispiel, hilft Muskel-Skelett-Erkrankungen und dem Repetitive-Strain-Injury-Syndrom (RSI-Syndrom) vorzubeugen. Er unterstützt den Anwender, wenn er eine Aufgabe wiederholend ausführen muss oder wenn mehr Kraft notwendig ist. Das ist genau das, was für die Hersteller wichtig ist.

Allgemeiner gefasst müssen Lieferanten nicht nur die technischen Aspekte beachten, sondern auch andere Kriterien wie Kosten oder rechtliche Forderungen. Wenn ein Gerät zum Beispiel zu teuer ist, dann ist es für die Industrie nicht "anwendbar", ganz gleich wie technisch fortschrittlich das Gerät sein mag.

Wie viele Wearables werden zurzeit in Fabriken eingesetzt?

Weigel: Die Nutzung von Wearables in Fabriken steckt noch in den Kinderschuhen, aber wir glauben, dass der Markt sehr schnell wachsen wird. Dafür gibt es drei Gründe: Erstens ist die Ergonomie aus finanzieller Sicht sehr bedeutend. Unternehmen begrüßen es, dass sich sehr viel Geld einsparen lässt, wenn erfahrene Arbeiter bei der Arbeit fit sind. Zweitens wird sich die Mensch-Maschine-Beziehung weiterentwickeln, sodass auch die Nachfrage für Wearables steigt. Der dritte Grund ist die alternde Bevölkerung. Qualifizierte Arbeitskräfte werden mehr und mehr zu einer begrenzten Ressource. Aus diesem Grunde müssen Unternehmen einen Weg finden, Arbeiter zu unterstützen – zum Beispiel mit Werarables.

Bild: Björn Weigel auf der Bühne; Copyright: beta-web/Lormis

Björn Weigel spricht auf der MEDICA 2016 über Wearables im Medizinbereich; © beta-web/Lormis

Wo liegt die Zukunft von Wearables in Fabriken? Welche Wearables werden in Zukunft genutzt?

Weigel: Technisch gesehen, kann die Zukunft eine erhebliche Optimierung der Beziehung zwischen Mensch und Maschine mit sich bringen. Zum Beispiel könnte beim Fertigungsprozess Technologie dafür eingesetzt werden, um Aufgaben zu erledigen, welche sonst die Gesundheit und/oder die Sicherheit des Arbeiters gefährden würden. Beide, weiche und harte Exoskelette, sind ideal dafür.

Wenn man weitere Faktoren betrachtet – abgesehen von der Technologie – ist die Zukunft noch unsicher; Faktoren, die eine große Auswirkung auf die Skalierbarkeit der Wearables innerhalb der Industrien und in der Gesellschaft haben. So spielen beispielsweise Regulierungsbehörden eine entscheidende Rolle. Wenn sie sich dazu entschließen, den Pfad für neue Wearables zu ebnen und legale Hindernisse und Unsicherheiten zu entfernen, könnten neue Investoren gewonnen werden, die wiederum die Entwicklung von neuen Wearables für Fabriken beschleunigen. Wenn wir jedoch in die entgegengesetzte Richtung gehen, kann es zu einer langsameren Entwicklung kommen. Bisher war die Beziehung zwischen Regulierungsbehörden und neuen Technologien in der Vergangenheit nicht immer so positiv – betrachtet man neue Technologien allgemein, nicht speziell Wearables. Das Problem ist, dass Regulierungsbehörden oftmals dazu tendieren, etablierte Technologien zu bevorzugen, was wiederum die Verbreitung von neuen Technologien innerhalb der Unternehmen und in der Gesellschaft als Ganzes verlangsamt. 

Terminankündigung:

Björn Weigel, "The future of wearable technology on the factory floor"
Montag, 14. November 2016, 11.20-11.40 Uhr
MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM (Halle 15, C24)

Das Interview führte Olga Wart.
MEDICA.de