Weber und Bernhagen ausgezeichnet

Der Preis wird jährlich von der Paul-Martini-Stiftung für herausragende Leistungen in der klinisch- therapeutischen Arzneimittelforschung verliehen. Nach heutigem Verständnis beginnt die Arteriosklerose - induziert durch metabolische und andere Einflussgrößen - mit einer endothelialen Dysfunktion. Auf diese folgt eine Infiltration des Raums zwischen Endothel und glatter Gefäßmuskulatur mit verschiedenen Leukozyten. Dies wiederum initiiert die Bildung der arteriosklerotischen Plaques und begleitet deren pathophysiologische Progression.

Bei der Suche nach den Ursachen der Leukozyteninfiltration wurde Weber und Bernhagen die zentrale Bedeutung des Zytokins MIF (macrophage migration inhibitory factor) deutlich. Es wird während arteriosklerosefördernder Prozesse unter anderem von Endothel- und glatten Muskelzellen gebildet. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass MIF bei Monozyten und T-Zellen eine Anheftung ans Endothel und eine chemotaktische Migration bewirkt. Dies wird über die leukozytären Rezeptoren CXCR2 und CXCR4 vermittelt, die so als hochaffine Signal-übertragende Rezeptoren für MIF neu entdeckt wurden. MIF ist damit einer der wesentlichen Faktoren für die leukozytäre Infiltration.

Im Tiermodell konnten Weber und Bernhagen darüber hinaus zeigen, dass sich Plaques wieder verkleinern lassen und die entzündliche Aktivität darin abnimmt, wenn MIF durch Antikörper neutralisiert wird. Ließe sich das auf Patienten übertragen, könnten sich deshalb fortgeschrittene arteriosklerotisch Läsionen stabilisieren und ihre Rückbildung einleiten lassen.

Zur Realisierung dieses neuartigen therapeutischen Ansatzes ist jedoch die Übertragung dieses Konzeptes in die Entwicklung geeigneter Antagonisten für die medikamentöse Therapie nötig. Entsprechende Wirkstoffkandidaten sind derzeit in Vorbereitung und werden in Zusammenarbeit mit einem darauf spezialisierten Unternehmen geprüft.

MEDICA.de; Quelle: Paul-Martini-Stiftung