Wege aus der Malaria-Misere

Bild: Menschen auf einem Markt in Burkina Faso

Das wirkungslose Medikament
Chloroquin gibt es in Burkina Faso
auch auf Märkten; © Olaf Müller

Erschwingliche Medikamente wie beispielsweise Chloroquin werden in zunehmendem Maße wirkungslos, da die Malaria-Erreger Resistenzen entwickelt haben. Die Forscher aus Heidelberg und Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt, setzen sich daher für eine pragmatische, aber bezahlbare Lösung ein: "Eine Kombination der altbekannten Wirkstoffe Sulfadoxin- Pyrimethamin und Amodiaquin ist zur Zeit in einigen betroffenen Ländern, so auch in Burkina Faso, genauso effektiv wie die von der WHO geforderte teure Artemisinin-Kombinationstherapie (ACT)", sagt Dr. med. Olaf Müller vom Hygiene-Institut des Universitätsklinikums Heidelberg.

Kosten würde die Behandlung circa 0,2 US-Dollar - weitaus weniger als die ACT mit rund 6,50 US-Dollar pro Fieberschub. Behandlungskosten über 0,5 US-Dollar sind für fast alle Burkinabe - und ihre Kinder - unerschwinglich.

Der an sich sinnvolle Einsatz der WHO für ACT erweist sich aus Sicht der Tropenmediziner im Fall von Burkina Faso als Bumerang: Ein Antrag des Landes bei der Weltbank, aus einem laufenden Entwicklungshilfekredit Gelder für die Anschaffung der Wirkstoffe Sulfadoxin-Pyrimethamin und Amodiaquin zur Verfügung zu stellen, wurde mit Hinweis auf die WHO-Empfehlungen abgelehnt.

Olaf Müller und seine Kollegen aus Burkina Faso belegen die Misere mit aktuellen Zahlen aus dem Bezirk Nouna im Nordwesten des Landes: 122 Fieberanfälle von Vorschulkindern in 1080 Haushalten im Bezirk wurden retrospektiv untersucht - kein Kind war mit ACT behandelt worden, 112 Kinder dagegen mit dem weitgehend unwirksamen Chloroquin und zehn Kinder mit weiteren Medikamenten. In dem westafrikanischen Staat sterben 20 Prozent der Kinder, bevor sie fünf Jahre alt werden - die häufigste Todesursache ist Malaria.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg