Weiter in der Vorhersage von Seuchenausbreitung

Mit Geld auf der Spur des
irdischen Reiseverhaltens
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Die Göttinger Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, die Gesetzmäßigkeiten menschlichen Reiseverhaltens zu erschließen. Statt der Bewegung einzelner Menschen untersuchten die Forscher die geographische Zirkulation von Geldscheinen und analysierten dazu die Daten eines US-amerikanischen Bill Tracking-Internetportals.

Die Geldscheine werden ebenso wie Krankheitserreger durch Menschen von Ort zu Ort transportiert und an andere Personen weitergegeben. Eine große Anzahl von Dollarnoten wird markiert in Umlauf gebracht; wer einen solchen Schein erhält, kann sich online registrieren, in einem Bericht seinen Aufenthaltsort angeben und den weiteren Weg des Geldscheins verfolgen. Mittlerweile sind rund 50 Millionen "individuelle" Geldscheine registriert.

Wie die Physiker Dr. Dirk Brockmann, Dr. Lars Hufnagel und Prof. Dr. Theo Geisel herausfanden, folgen diese Bewegungen universellen Skalierungsgesetzen, die dem menschlichen Reiseverhalten zugrunde liegen. Diese bilden die Basis für das neue Göttinger Modell.

Dr. Hufnagel von der University of California in Santa Barbara: "Das Besondere an diesen Skalierungsgesetzen ist die Tatsache, dass sie nur durch zwei universelle Parameter bestimmt werden. Dieses Ergebnis hat uns alle überrascht."

Das daraus entwickelte mathematische Modell des menschlichen Reiseverhaltens beschreibt mit bislang nicht gekannter Genauigkeit Reisebewegungen auf Entfernungen von einigen wenigen bis zu mehreren tausend Kilometern. Da für viele Krankheitserreger die Mechanismen der Ansteckung von Mensch zu Mensch bereits gut verstanden sind, können nun mit Hilfe der neuen Theorie erstmals konkrete Modelle untersucht werden, mit denen sich die globale Seuchenausbreitung realistisch berechnen und beschreiben lässt.

MEDICA.de; Quelle: Georg-August-Universität Göttingen