Krankenhaus: Weiterbildung „Interdisziplinäre Notaufnahme“

26/07/2013
Foto: Notaufnahme

Die Koordinierung der interdisziplinären Zusammenarbeit in Notaufnahmen spart wertvolle Zeit; © panthermedia.
net/Tyler Olson

Zur Optimierung der Arbeit in Notaufnahmen soll eine Zusatzweiterbildung „Notaufnahme“ für das dort eingesetzte ärztliche Personal eingeführt werden. Es soll aber keinen separaten Facharzt für Notfallmedizin geben.

Dafür plädiert die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Das derzeitige System der interdisziplinären Versorgung in Notaufnahmen steht im internationalen Vergleich sehr gut dar. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser stellen dabei die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung dar. Primäres Ziel ist eine patienten- und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung im jeweiligen Bundesland. „Eine gute Notaufnahme ist Aushängeschild einer jeden Klinik“, sagt Prof. Elke Muhl, Präsidentin bei der DIVI. „Sie sorgt für ein gutes Image und wird als verlässlicher Partner von der Bevölkerung wahrgenommen.“

Derzeit gibt es Bestrebungen zur Einführung eines eigenen Facharztes Notfallmedizin. Dagegen spricht sich die DIVI aus, weil ein Allrounder, der von allen Fachbereichen „etwas“ Ahnung hat, keine Verbesserung der Versorgungsqualität darstellt. Durch die von der DIVI geforderte Weiterbildung soll vielmehr der leitende Arzt qualifiziert werden, als Manager die eintreffenden Notfälle ähnlich dem Triagesystem unverzüglich an die zuständigen Fachabteilungen weiterzuleiten. Die dortigen Fachärzte sind wirklich in der Lage, kompetent zu diagnostizieren. Die Schwachstelle der Notaufnahmen liegt vor allem in der Zeitspanne, bis die Behandlung einsetzt. Diese gilt es, zu verkürzen.

Im „Eckpunktepapier zur notfallmedizinischen Versorgung der Bevölkerung“ weisen alle wesentlichen in der deutschen Notfallmedizin eingebundenen Organisationen darauf hin, dass sich für die Schnittstelle Rettungsdienst/Klinik zentrale Notaufnahmen bewährt haben. „Die Schaffung eines neuen Facharztes Notfallmedizin kann strukturelle und organisatorische Schwächen in den Notaufnahmen nicht lösen“, sagt Muhl, die als Oberärztin in der Chirurgie am Universitätsklinikum Schleswig Holstein in Lübeck tätig ist.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit vor Ort muss koordiniert werden, dass sieht auch die DIVI so. Eine Parallelvorhaltung aller Fächer ist heute jedoch nicht nur aus ökonomischen Gründen unrealistisch. In rein fachabteilungsspezifischen Notaufnahmen mit klar begrenztem Patientenspektrum kann zum Beispiel der leitende Facharzt in der unfallchirurgischen Ambulanz mit seiner Expertise alles abdecken. In zentralen Notaufnahmen mit einer Vielzahl an Erkrankungen und Leitsymptomen wird aber der „breite“ Blick benötigt. Deshalb soll in Zukunft die Zusammenarbeit von einem ärztlichen Leiter koordiniert werden, der durch die Zusatzweiterbildung „Interdisziplinäre Notaufnahme“ qualifiziert ist.

Die DIVI fordert zwingend eine Mindestqualifikation im Sinne einer zweijährigen Zusatzweiterbildung für den leitenden Arzt jeder zentralen Notaufnahme sowie als Angebot für dauerhaft in der Notaufnahme tätiges ärztliches Personal. „Damit ließe sich die diagnostische und therapeutische Kompetenz noch einmal deutlich verbessern“, sagt Prof. André Gries, stellvertretender Sprecher der neugebildeten DIVI-Sektion „Interdisziplinäre Notaufnahme“ und ärztlicher Leiter der zentralen Notaufnahme am Universitätsklinikum Leipzig.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V.