Wenn hormonproduzierende Drüsen wie Nebenniere, Hypophyse, Bauchspeichel- und Nebenschilddrüse von Krebs befallen werden, hat das oft genetische Ursachen. Pathologen des GSF-Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München haben kürzlich in Ratten eine Genmutation entdeckt, die auch beim Menschen Tumoren in solchen endokrinen Drüsen hervorruft.

Begonnen hat die Erfolgsstory mit zwei blinden Ratten. Auf der Suche nach dem Grund der Erblindung stießen die Pathologen bei beiden Tieren - die, wie eine Nachfrage beim Züchter ergab, verwandt waren - auf Karzinome in den Nebennieren. Dieses Krankheitsbild ähnelt, wie die Wissenschaftler wussten, dem der Multiplen Endokrinen Neoplasie (MEN) des Menschen. Bei dieser recht seltenen, angeborenen Krankheit entsteht früher oder später Krebs in nahezu allen hormonbildenden Geweben.

Man weiß, dass MEN von Mutationen in zwei Genen ausgelöst wird. Doch finden sich hin und wieder auch MEN-Patienten ohne diese Mutationen, was die Diagnose erheblich erschwert. Zudem bricht die außerordentlich variable Krankheit manchmal früh, manchmal erst spät aus. Vor allem betroffene Kinder haben eine geringe Lebenserwartung.

Zwar ist bei Ratten keines der für MEN typischen Gene mutiert, dafür aber ein anderes: das Gen für das Protein p27. p27 wirkt bei der Zellteilung quasi als Bremse; ist es mutiert, können sich die Zellen unkontrolliert vermehren. Tatsächlich fanden die Pathologen ein mutiertes p27-Gen auch bei einer Familie mit endokrinen Karzinomen, aber ohne Mutation in den MEN-Genen.

Offenbar steht also auch die p27-Mutation mit MEN in Verbindung. Jetzt verfolgen die Wissenschaftler an p27-mutierten Ratten, welche Symptome zu welchem Zeitpunkt auftreten. Durch Vergleiche von Früh- und Spätformen hoffen sie dann Marker bestimmen zu können, die verlässlich anzeigen, ob ein Ausbruch der Krankheit zu erwarten ist.

MEDICA.de; Quelle: GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit