Krankenhäuser: Weiterhin große Defizite in OP-Bereichen

24.03.2014
Foto: OP

Das OP-Barometer gibt alle zwei Jahre Auskunft zur Arbeitssituation von Pfle-
gekräften im Operations- und Anäs-
thesie-Bereich an deutschen Kranken-
häusern; © panthermedia.net/
Westend61

An der Fachhochschule Frankfurt am Main (FH FFM) liegen erste Ergebnisse des OP-Barometers 2013 vor. Das OP-Barometer ist eine alle zwei Jahre durchgeführte Befragung zur Arbeitssituation von Pflegekräften im Operations(OP)- und Anästhesie-Bereich an deutschen Krankenhäusern.

Sie wurde 2008 von Prof. Thomas Busse, Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) an der FH FFM, initiiert. Rund 1.400 OP- und Anästhesiepflegekräfte aus ganz Deutschland haben sich am OP-Barometer 2013 beteiligt, darunter 51 Prozent OP-Pflegekräfte, 38 Prozent Anästhesie-Pflegekräfte und 11 Prozent operationstechnische Assistent(inn)en.

Die Problematik der Steri-Qualität hat sich leicht entschärft; 39 Prozent der Befragten geben an, dass an ihrem Arbeitsplatz Schwierigkeiten mit der Sterilität des OP-Bestecks bestehen (2011: 44 Prozent). „Ein nach wie vor suboptimaler Wert, mit dem gearbeitet werden muss“, bekräftigt Busse. Die Patientengefährdung hat, so die Einschätzung der Befragten, seit 2011 von 45 auf 49 Prozent zugenommen: „Dies ist eine beunruhigende Rückmeldung. Die Verschlechterung erfordert meines Erachtens dringend, dass sich die Kliniken um Abhilfe bemühen“, betont Busse. Die fachliche Qualität des OP-Bereichs, in dem sie tätig sind, schätzen die Pflegekräfte unterschiedlich ein: Mehr als die Hälfte (61 Prozent) würde sich zwar im eigenen Haus operieren lassen, 18 Prozent wollen sich nicht festlegen, aber 21 Prozent lehnen eine Operation in ihrem Bereich ab.

„Die OP-Bereiche in Krankenhäusern leiden zunehmend darunter, dass Pflegepersonal qualitativ und quantitativ nicht ausreichend zur Verfügung steht. Diese Verknappung steht in schmerzlichem Gegensatz zum steigenden OP-Bedarf. Viele Operationen müssen wegen Pflegemangels verschoben oder von anderen Krankenhäusern erbracht werden; eine Zumutung auch für die Patienten“, so Busse. Die Befragten kritisieren zudem die organisatorischen Defizite ihres Bereichs: Die entsprechende Bewertung der Organisation verschlechterte sich leicht (31 Prozent, 2011: 28 Prozent); nur rund die Hälfte ist mit der Organisation in ihrem OP-Saal zufrieden. Die OP-Pläne scheinen eine wesentliche Schwachstelle der OP-Organisation zu sein, da fast die Hälfte (44 Prozent) der Pflegekräfte ihrem Bereich keine zuverlässigen OP-Pläne bescheinigt. Deutlich über die Hälfte (62 Prozent) meldet unnötige Wartezeiten in OP-Prozessen zurück. „Ein klares Indiz für unzureichende Effizienz der Krankenhäuser“, ergänzt Busse.

Der Arbeitsplatz Pflegeberuf im OP-Bereich ist weiterhin nicht attraktiv, die Zahlen derjenigen, die den Beruf nicht nochmals wählen würden, sind in den vergangenen zwei Jahren stagniert (39 Prozent, 2011: 37 Prozent). Über Dreiviertel der Befragten meldet zurück, dass die Arbeitsbelastung seit 2011 zugenommen hat. Dagegen vermisst fast die Hälfte eine Wertschätzung ihrer geleisteten Arbeit durch die eigene Krankenhausleitung. Auffallend laut Busse ist, dass es deutliche Unterschiede zwischen Krankenhäusern gibt, deren OP-Bereiche insgesamt gut bis sehr gut abschneiden, zu denen die schlechte bis sehr schlechte Werte erzielen.

MEDICA.de; Quelle: Fachhochschule Frankfurt am Main