Welche T-Zellen kontrollieren Epstein-Barr-Virus-assoziierte Tumoren?

04.06.2014
Foto: Immunzelle greift Krebszelle an

Verschiedene Untergruppen von T-Zellen können das Wachstum von Tumoren, die mit dem Epstein-Barr-Virus assoziiert sind, hemmen oder fördern; ©Andrea Danti/ panthermedia.net

Verschiedene Untergruppen von T-Zellen können das Wachstum von Tumoren, die mit dem Epstein-Barr-Virus assoziiert sind, hemmen oder fördern. Die Hemmung wird von solchen T-Zellen vermittelt, die virus- oder körpereigene Bestandteile der Tumoren erkennen.

Zu diesen Ergebnissen kommt ein Wissenschaftlerteam des Helmholtz Zentrums München (HMGU) und der Technischen Universität München (TUM) in einer Analyse tumorspezifischer Abwehrzellen. Darauf basierend könnten wirksamere Immuntherapien und Impfungen entwickelt werden, berichten die Wissenschaftler.

Über 90 Prozent der Weltbevölkerung sind Träger des Epstein-Barr-Virus (EBV). Die Primärinfektion verläuft häufig symptomlos, in einigen Fällen kommt es zum Krankheitsbild der infektiösen Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber). Daneben ist das Virus mit bestimmten bösartigen Tumoren assoziiert, betroffen sind davon insbesondere immungeschwächte Menschen, zum Beispiel nach einer Transplantationstherapie.

T-Immunzellen sind wesentlich an der Abwehr von EBV beteiligt. Das Team um Dr. Stefanie Linnerbauer, Dr. Josef Mautner und Prof. Uta Behrends von der Klinischen Kooperationsgruppe (KKG) ‚Pädiatrische Tumorimmunologie‘ am HMGU und an der Kinderklinik Schwabing des Klinikums Rechts der Isar (TUM) hat in seiner aktuellen Studie die Eigenschaften und Funktionen tumorspezifischer T-Zellen zu EBV-assoziierten Tumoren im Tiermodell untersucht.

Es zeigte sich, dass verschiedene Untergruppen der T-Zellen das Wachstum EBV-assoziierter Tumoren unterschiedlich beeinflussen. Unter den T-Zellen, die viruseigene Strukturen erkannten, waren solche, die eine effektive Wachstumshemmung vermittelten und andere, die das Tumorwachstum förderten. Worin sich tumorfördernde und tumorhemmende T-Zellen unterscheiden, ist noch nicht bekannt und Gegenstand aktueller Untersuchungen.

An der Tumorabwehr effizient beteiligt waren darüber hinaus aber auch T-Zellen, die gegen bislang unbekannte körpereigene Strukturen gerichtet sind. Diese körpereigenen Antigene (Autoantigene) stammen vermutlich von zellulären Proteinen, die erst nach Virusinfektion bzw. Entartung der Zellen gebildet werden. Die beschriebenen T-Zellen können somit zur Tumorabstoßung beitragen, ohne gesundes Gewebe zu schädigen.

„Die Funktion der T-Zellen in der Abwehr EBV-assoziierte Tumoren ist äußerst komplex und bislang noch nicht komplett verstanden“, fasst Studienleiterin Behrends zusammen. „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass bestimmte Eigenschaften der T-Zellen entscheidend für die Abwehrreaktion sind. Hier wollen wir ansetzen, um die T-Zell-basierten Immuntherapien zu verbessern und auch Impfstoffe zu entwickeln.“

T-Zellen vermitteln die zelluläre Immunabwehr. Werden im Organismus Antigene erkannt, also körperfremde Strukturen, zum Beispiel von Erregern, aber auch von Tumorzellen, beginnt ein Differenzierungsprozess der T-Zellen, um die verschiedenen Abwehrfunktionen auszuführen. Es entwickeln sich zum einen sogenannte zytotoxische Effektor-Zellen, die infizierte beziehungsweise veränderte Zellen im Körper abtöten. Darüber hinaus entstehen T-Zellen, die die Antikörperproduktion fördern oder überschießende Immunantworten unterdrücken.

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt