Weltweit größte prospektive Studie zur Sedierung

19/09/2014
Foto: Arzt mit Narkosemaske in der Hand

Wie jede Verabreichung von Medikamenten ist jedoch auch eine Sedierung mit gewissen Risiken verbunden; © Marko Volkmar/panthermedia.net

Magen- und Darmspiegelungen gehören zu den wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen. Aber auch zu den gefürchtetsten. Dabei ist das Unbehagen der Patienten meist unbegründet: Denn die Untersuchungen können heutzutage dank Sedierung für den Patienten völlig stress- und schmerzfrei durchgeführt werden. Auch die Sedierung selbst, also der durch Medikamente herbeigeführte Dämmerschlaf, verläuft fast immer komplikationsfrei.

Wie die bislang größte prospektive Studie zu Komplikationen bei Sedierungen jetzt ergab, kommt es nur bei einer von 10 000 Sedierungen zu schwerwiegenderen Problemen. Für die Studie hatten Gastroenterologen mehr als 350 000 Eingriffe in 40 deutschen Kliniken ausgewertet.

Untersuchungen mit dem Endoskop sind bei der Abklärung von Beschwerden, aber auch in der Krebsvorsorge sehr wichtig: Bei der Koloskopie etwa, der Darmspiegelung, erkennt der Arzt Vorstufen von Darmkrebs und kann diese, anders als bei vielen anderen Vorsorgeuntersuchungen, auch sofort entfernen. „Dank moderner Sedierungsverfahren bekommen Patienten von der Untersuchung gar nichts mit und behalten sie auch nicht unangenehm in Erinnerung“, sagt Professor Dr. Ralf Kiesslich, Direktor der Medizinischen Klinik des St. Marienkrankenhaus Frankfurt am Main und Vorsitzender der Sektion Endoskopie der DGVS.

Wie jede Verabreichung von Medikamenten ist jedoch auch eine Sedierung mit gewissen Risiken verbunden. Bei einer Sedierung wird die Atmung reduziert. In Ausnahmefällen oder bei einer Überdosierung kann es zu einem Atemstillstand kommen. „Verschiedene Studien haben zwar immer wieder gezeigt, dass dieses Risiko extrem gering ist – die Anzahl der ausgewerteten Sedierungen war in vielen Untersuchungen aber so gering, dass die Aussagekraft begrenzt war“, erklärt Dr. Angelika Behrens, Oberärztin der Gastroenterologie am Vivantes Klinikum Friedrichshain Berlin. Gemeinsam mit Professor Dr. Christian Ell vom Sana Klinikum Offenbach und in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft der leitenden gastroenterologischen Krankenhausärzte (ALGK) hat sie deshalb die bislang größte prospektive Studie sedierungsassoziierter Komplikationen in der Endoskopie initiiert. Seit 2009 werteten die Wissenschaftler mehr als 350 000 Sedierungen aus, die in 40 deutschen Kliniken vorgenommen wurden.

Es zeigte sich: Nur bei 32 Eingriffen, in weniger als 0,01 Prozent der Fälle, traten schwerwiegende Komplikationen auf. Betroffen waren überwiegend Patienten mit einer oder mehreren schweren Vorerkrankungen oder solche, die notfallmäßig untersucht werden mussten. „Das Risiko für einen gesunden Menschen bei einer Vorsorgeuntersuchung eine schwere Komplikation zu erleiden, geht gegen Null“, betont Behrens.

Um eine hundertprozentige Dateneingabe zu gewährleisten, erfolgte die Erfassung der Daten über ein elektronisches Dokumentationssystem, das bei jeder durchgeführten Endoskopie vollständig vom behandelnden Arzt ausgefüllt werden muss.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften