Fußball: Weltweites Register zu plötzlichen Todesfällen

02.04.2014
Foto: Fußballer tritt gegen den Ball

Fußball ist eine überall auf der Welt heiß geliebte Sportart; © panther-
media.net/Lario Tus

Das FIFA Medical Assessment & Research Centre (F-MARC) und die Universität des Saarlandes erstellen gemeinsam ein weltweites Register von plötzlichen Todesfällen bei Fußballspielern.

Damit wollen F-MARC und das Team von Professor Tim Meyer am Institut für Sport- und Präventivmedizin systematisch herausfinden, was im Fußball die häufigsten Ursachen für solche tragischen Fälle sind. Daraus sollen vorbeugende Maßnahmen abgeleitet werden, um zum Beispiel die Früherkennung von unentdeckten Herzerkrankungen weiter zu verbessern. Das neue Register soll außerdem darüber Aufschluss geben, ob sich die Todesursachen regional unterscheiden.

Auch überlebte Herz-Kreislauf-Stillstände sollen aufgenommen werden, bei denen die auslösende Erkrankung oft besonders sicher festgestellt werden kann.

„Wenn Profi-Fußballer mitten im Spiel oder beim Training zusammenbrechen, ist das Medieninteresse riesig und die allgemeine Bestürzung natürlich groß. Das tragische Schicksal dieser Spieler darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Deutschland zwar jährlich über 100.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod sterben, davon aber nur sehr wenige während des Sports“, erläutert Tim Meyer, der das Institut für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Uni leitet und als Mannschaftsarzt die deutsche Fußball-Nationalelf betreut. An seinem Institut wird bereits seit zwei Jahren ein bundesweites Register für plötzliche Todesfälle von Sportlern betrieben, unter Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und mit finanzieller Förderung der Deutschen Herzstiftung (www.scd-deutschland.de).

„Das Risiko für einen plötzlichen Herztod ist zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt, rund 90 Prozent aller Betroffenen sind Männer. Besonders häufig trifft es die 40- bis 50-Jährigen, die zwar dem Profisport nicht mehr angehören, aber im Breitensport besonders gefährdet sind“, erläutert der Sportmediziner Jürgen Scharhag, der das Projekt federführend umsetzen wird. In dieser Altersklasse werde eine Herzkranzgefäßverkalkung zunehmend wahrscheinlicher. „Fußball wird nach wie vor mehrheitlich von Männern betrieben. Auch in den sogenannten Altherren-Spielklassen wird regelmäßig trainiert und es finden dort Wettkämpfe statt. Ein Register über plötzliche Todesfälle in diesem Umfeld wird uns helfen, mehr über die Häufigkeit und altersmäßige Verteilung unter Sportlern zu erfahren“, sagt Scharhag. Dazu könnten auch Erkenntnisse aus einer Untersuchung zum Altherren-Fußball im Saarland beitragen, die von Saarbrücker Sportmedizinern durchgeführt wurde. Sie hatten festgestellt, dass Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System bei älteren Spielern überraschend stark beansprucht werden. Zwischen Training und Wettkampf gab es dabei keinen nennenswerten Unterschied.

„Wie in vielen anderen Ballsportarten wird beim Fußball als Folge einer hohen Spielintensität viel Adrenalin ausgeschüttet und in der Regel ist die Intensität nicht steuerbar. Bei vorhandenen Herzerkrankungen stellt dies eine gewisse Gefährdung dar. Bei solchen Beanspruchungen können sowohl Engstellen der Herzkranzgefäße Probleme hervorrufen als auch Rhythmusstörungen auftreten“, legt Scharhag dar. Die Ursachen für den plötzlichen Tod, der während oder bis zu einer Stunde nach einer sportlichen Aktivität eintritt, seien vielfältig. Sie sollen jetzt für den weltweiten Fußball in dem datengeschützten Online-Register in Saarbrücken erfasst werden. „In dem von der FIFA finanzierten Projekt wollen wir uns allerdings nicht auf Herzerkrankungen beschränken, sondern allen plötzlichen Todesfällen von Fußballern nachgehen“, erläutert Tim Meyer. Immerhin sei es denkbar, dass in einer Kontaktsportart wie Fußball auch andere – traumatische – Todesfälle aufträten. „Letztlich geht es darum zu überprüfen, ob ein fußballspezifisches ‚Muster‘ an Gefährdungen besteht, aus dem sich spezifische Vorbeugemaßnahmen ergeben“, so Meyer. Außerdem sei es Ziel des Registers, regionale Besonderheiten herauszuarbeiten, die über die bekannten anlagebedingten Verteilungsmuster der Erkrankungen hinausgehen.

Auf der Webseite des Registers werden die verschiedenen Krankheitsbilder näher erläutert. Dies wird zunächst in deutscher, englischer, spanischer und französischer Sprache geschehen, um schnell „aufnahmebereit“ zu sein. Später sollen alle wichtigen Sprachen der Welt hinzukommen. Zusätzlich zu diesem Online-Angebot, über das einzelne Todesfälle gemeldet werden können, sollen weltweit einzelne repräsentative Partnerländer ausgewählt werden. Dort wollen die Forscher über fachlich kompetente Kontaktpersonen sowie ein Medienmonitoring die Todesursachen noch detaillierter untersuchen als dies auf der Basis von Online-Meldungen möglich ist. Darüber hinaus soll in diesen Ländern auch erfasst werden, in welchem Umfang üblicherweise Fußball trainiert wird und wie häufig Wettkämpfe stattfinden. „Nur damit können wir Sportarten oder Regionen der Welt wissenschaftlich sauber miteinander vergleichen“, erklärt Scharhag.

MEDICA.de; Quelle: Universität des Saarlandes