Weniger ADHS-Medikamente für Grundschüler

„Mediziner und Eltern sind anscheinend zögerlicher geworden, Kinder auf stimulierende Medikamente einzustellen“, sagt Apothekerin Doktor Stefanie Schellhammer. „Dazu hat sicherlich auch die zunehmende Aufklärung über Nebenwirkungen beigetragen.“ Inzwischen habe auch die beschränkte Zulassung für methylphenidathaltige Arzneimittel Wirkung gezeigt, die seit Sommer 2009 gilt.

Medikamente gegen die Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung (ADHS) können ausschließlich für Kinder und Jugendliche von 6 bis einschließlich 17 Jahren vom Arzt verschrieben werden. Damit dies künftig noch gezielter geschieht, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) jetzt weitere Regeln zur Verordnungsfähigkeit bekannt gegeben. Die Diagnose muss künftig umfassender als bisher gestellt werden. Außerdem soll dies Spezialisten für Verhaltensstörungen vorbehalten sein. Zudem müsse die Therapie regelmäßig unterbrochen werden, um Auswirkungen auf das Befinden des Kindes beurteilen zu können.

Im Zusammenhang mit ADHS-Medikamenten werden immer wieder Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Wachstumsstörungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden genannt. Über die Langzeitfolgen gibt es noch keine umfassenden Erkenntnisse. Jungen sind viermal häufiger betroffen als Mädchen.

Insgesamt wurden bei der DAK im Jahr 2009 knapp 130.000 Rezepte für ADHS-Medikamente ausgestellt, rund 30.000 davon gingen an die Altersgruppe der 6 bis 9-Jährigen.


MEDICA.de; Quelle: DAK