Ein Viertel aller Herzinfarkte, Schlaganfälle und Operationen an verstopften Arterien bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit müssten nicht sein – wenn die Kranken langfristig die blutfettsenkenden Medikamente Ezetimib und Simvastatin einnehmen. Weltweit 250.000 Menschen könnten dadurch von diesen Herz-Kreislauf-Leiden verschont bleiben, so Studienleiter Professor Colin Baigent von der Universität Oxford.

Herausgekommen ist das bei der sogenannten Sharp-Studie. Eine Studie an Nierenpatienten in dieser Größenordnung hat es bislang noch nicht gegeben: Einbezogen waren – über zehn Jahre hinweg – insgesamt 9.480 Patienten an mehr als 380 Krankenhäusern in 18 Ländern. Rund ein Drittel der Patienten befand sich im Stadium der Dialyse.

Die Medizinische Klinik I der Universität Würzburg fungierte als Studienzentrale für Deutschland und Österreich. Professor Christoph Wanner war Studienleiter für Zentraleuropa, als Studienkoordinatorin war PD Vera Krane tätig. „Die Planung haben wir gemeinsam mit Oxford im Frühjahr 2001 begonnen“, so Wanner. Insgesamt 1.800 Patienten haben er und sein Team in die Studie eingebracht.

Das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle ist bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit sehr hoch. „Bislang herrschte in der Wissenschaft die Meinung vor, dass das höhere Risiko nicht von den Blutfettwerten bedingt ist, dass also eine Senkung der Blutfettwerte diesen Patienten nichts bringen würde“, sagt Wanner. Diese Meinung könne nun revidiert werden. Dass blutfettsenkende Medikamente bei Gesunden die Herz-Kreislauf-Risiken verringern, steht bereits seit Langem fest.

Schwerwiegende Nebenwirkungen der Behandlung habe man bei der Studie nicht festgestellt, so Co-Studienleiter Martin Landray aus Oxford. Frühere Befürchtungen, das Medikament Ezetimib könne Krebs auslösen, hätten sich ebenfalls nicht bestätigt: „Die Studie zeigt deutlich, dass die Behandlung sicher ist.“


MEDICA.de; Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg