Die Studie des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke umfasst einen Vergleich der Jahre 2003 bis 2005. Als Datengrundlage dienten Befragungen und auch die Messung von Arbeitsstrukturen in drei deutschen Kliniken der Maximalversorgung. Ein Ergebnis: Die Pflegenden verbringen immer weniger Zeit mit ihrer Kernaufgabe, der eigentlichen Pflege.

Zur eigentlichen Pflege gehört auch die Kommunikation. Die Gespräche mit Patienten sind während des Untersuchungszeitraums besonders deutlich weniger geworden. Machte der Anteil von Ratschlägen und aufmunternden Worten am Krankenbett im Jahr 2003 gemessen an den Gesamttätigkeiten noch rund sieben Prozent aus, waren es im Jahr 2005, nach der Finanzierungsreform, nur noch weniger als drei Prozent.

Der Anteil der sonstigen Tätigkeiten, vom Bettenmachen bis zu Botengängen, ist in etwa gleich geblieben. Er betrug im Mittel der Jahre 13 Prozent - mit allerdings steigender Tendenz. Zugenommen hat die Mitarbeit der Pflegenden bei ärztlichen Tätigkeiten, hier vor allem die Assistenz bei diagnostischen Maßnahmen. Auf die Frage, ob sie ihren Arbeitsplatz für sicher halten, antworteten über die Untersuchungsphasen hinweg zunehmend mehr Pflegende mit nein.

"Inwieweit diese Ergebnisse direkt auf die Finanzierungsumstellung zurückzuführen sind, kann anhand der Daten nicht eindeutig beantwort werden", sagt Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik, die zusammen mit Dr. Elke Donath für die Studie verantwortlich ist. Das ab Anfang 2004 geltende Finanzierungssystem orientiert sich am Leistungsaufwand für vergleichbare Patientengruppen (Diagnosis Related Groups, kurz DRG). Waren zuvor die Aufenthaltstage relevant, wird jetzt nach der medizinischen Diagnose abgerechnet. Pflegeexperten befürchten, dass die Pflege in den Pauschalen kaum berücksichtigt wird und vor allem das Pflegepersonal von dem Rationalisierungsdruck betroffen ist.

MEDICA.de; Quelle: Private Universität Witten/Herdecke