Querschnittlähmung: Weniger Nervengewebe schon 40 Tage danach

05.07.2013
Foto: MRT-Bild

Rot: Dynamischer Verlust an Nervengewebe während der ersten zwölf Monate im kortikospinalen Trakt und sensomotorischen Kortex. Grün: Stellen mit geringerer Myelinkonzentration; © UZH

Forschende der Universität Zürich und Uniklinik Balgrist belegen: Bereits 40 Tage nach einer Querschnittlähmung haben Patienten weniger Nervengewebe im Rückenmark.

Mittels einer neuen bildgebenden Messung lässt sich nun die Wirkung einer medikamentösen Behandlung oder Rehabilitation schneller und direkter als bis anhin erfassen.

Die Verletzung des Rückenmarks verändert das Rückenmark und Gehirn. Patienten können beispielsweise nur noch eingeschränkt gehen oder ihre Hände bewegen. Wie schnell sich solche degenerativen Veränderungen entwickeln, war bis anhin ungewiss. Man ging davon aus, dass sich bei querschnittgelähmten Patienten erst über Jahre hinweg anatomische Veränderungen im Rückenmark und Gehirn auch oberhalb der verletzten Stelle zeigen. Erstmals weisen Forscher nach, dass diese Veränderungen bereits 40 Tage nach einer akuten Querschnittlähmung auftreten.

Die Wissenschaftler untersuchten 13 akut querschnittgelähmte Patienten jeden dritten Monat während eines Jahres im Magnetresonanz-Gerät. Anhand der MRT-Protokolle stellten sie fest, dass der Durchmesser des Rückenmarks rapid abgenommen hatte und nach zwölf Monaten bereits um sieben Prozent kleiner geworden war. Ein, wenn auch geringerer, Volumenverlust zeigte sich zudem bei den aufsteigenden motorischen Nervenbahnen (cortikospinaler Trakt) und den Nervenzellen im sensomotorischen Cortex. Das Ausmaß der degenerativen Veränderungen korrelierte mit dem klinischen Verlauf. „So erholten sich Patienten mit größerem Verlust an Nervengewebe oberhalb der Verletzung weniger gut als jene mit geringerem“, erklärt Patrick Freund, Forschungsassistent am Zentrum für Paraplegie Balgrist.

Die Chancen auf eine Regeneration des Rückenmarks innerhalb des ersten Jahres nach seiner Verletzung sind gering; die Patienten bleiben meistens für immer gelähmt. Dank der neu angewandten bildgestützten Messung besteht jetzt, laut Freund, die Möglichkeit, die Wirkung von medikamentösen Behandlungen auf das Zentralnervensystem oder von rehabilitativen Maßnahmen schneller sichtbar zu machen. Auch die Wirkung neuer Therapien ließe sich somit schneller erfassen.

MEDICA.de; Source: Universität Zürich