Knochen: Weniger Operationen bei jungen Menschen

23.10.2013
Foto: Arm

Bei den meisten Knochenbrüchen und orthopädischen Erkrankungen müssen junge Patienten nicht operiert werden, weil eine konservative Behandlung möglich ist; © panthermedia.net/
Ramon Grosso Dolarea

Bis zum 18. Lebensjahr erleidet jeder Vierte mindestens einen Knochenbruch. Zwar liegt die Zahl der Frakturen damit deutlich höher als bei Erwachsenen, junge Patienten müssen jedoch sehr viel seltener operiert werden.

Meist betreffen Frakturen im Jugendalter die langen Röhrenknochen – am häufigsten die Knochen im Unterarm. Die Lage des Bruchs und die Verschiebung der Frakturen entscheiden darüber, ob operiert werden muss. „Sogenannte Wulst- und Grünholzbrüche, bei denen der Knochen nur wenig oder gar nicht verformt ist, können wir in der Regel konservativ behandeln", erklärt Dr. Dirk Sommerfeldt, Leiter der Sektion Kindertraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).

Auch Brüche, die mit einer Fehlstellung einhergehen, müssen nicht immer operiert werden. Dies gilt vor allem für Ober- und Unterarm. Je jünger der Patient ist und je näher die Fraktur an einer noch aktiven Wachstumsfuge liegt, desto eher wachsen sich Fehlstellungen von selbst wieder aus. „Das Längenwachstum der Knochen beim Kind wirkt begradigend, sodass sich einige Fehlstellungen von selbst ausgleichen", erläutert Sommerfeldt. Vielen jungen Patienten bleibt so die Belastung einer Operation und Narkose erspart.

Auch bei orthopädischen Erkrankungen wurden konservative Behandlungskonzepte mit großem Erfolg entwickelt und eingeführt. Insbesondere bei Fehlstellungen der Hüfte, wie der Hüftdysplasie, erzielen Orthopäden große Therapie-Erfolge. Entscheidend sei die Früherkennung, so Prof. Rüdiger Krauspe, Direktor der Orthopädischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf: „Im Alter von vier bis sechs Wochen werden daher alle Säuglinge in Deutschland per Ultraschall daraufhin untersucht.“ Auffallende Befunde könnten so in über 90 Prozent der Fälle konservativ und vor allem ambulant behandelt werden. „Deutlich weniger Korrektureingriffe nehmen Ärzte auch beim Klumpfuß vor – eine angeborene, seltene Fehlstellung,“ ergänzt Krauspe.

Die Ponseti-Methode, eine weitgehend konservative Behandlung, verlaufe aber nur dann erfolgreich, wenn ein erfahrener Kinderorthopäde die Betroffenen betreue und die Eltern die Therapievorgaben gemeinsam mit ihrem Kind konsequent durchführen. Denn die Klumpfußschiene müsse über vier bis fünf Jahre hinweg jede Nacht angelegt werden. Auch bei vielen Fußfehlformen, Achsfehlstellungen der Beine sowie bei Wirbelsäulenverkrümmung kommt man unter einer fachkundigen Beobachtung und nicht-operativen Behandlung häufig ohne operative Eingriffe aus.

MEDICA.de; Quelle: Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie