An einer Studie, die jetzt beim Jahreskongress der "American Psychiatric Association" vorgestellt wurde, nahmen 624 Patienten 24 Wochen lang teil. Die Probanden, allesamt alkoholabhängig, erhielten in jeweils einmonatigen Abstand sechs Mal eine Spritze mit Naltrexon (380 oder 190 mg) oder Placebo. Außerdem wurden sie psychosozial unterstützt. Dazu gehörte neben einer biopsychosozialen Untersuchung auch das intensive Gespräch mit dem Patienten. Dabei sollte auf die Ängste und Probleme der Alkoholiker eingegangen und daraus genaue Handlungsempfehlungen für den jeweiligen Patienten abgeleitet werden.

380 Patienten beendeten die Studie. 332 von ihnen nahmen an einer Nachfolgestudie teil. 115 Patienten, die zuvor 380 mg Naltrexon bekommen hatten, blieben bei dieser Dosis. 60 Patienten wurden von der niedrigen auf die höhere Dosis umgestellt.

Jene, die mit der hohen Dosis (380 mg) begonnen hatten und dabei blieben, verbesserten ihren Zustand von durchschnittlich 2,6 Tagen heftigen Trinkens pro Monat auf durchschnittlich 1,6 Tage pro Monat. Noch drastischer das Ergebnis bei jenen Probanden, die für die Nachfolgestudie von 190 auf 380 mg Naltrexon umgestellt wurden: Bei ihnen besserte sich das Suchtverhalten von durchschnittlich 5,2 Tagen heftigen Trinkens pro Monat auf 1,8 Tage (p kleiner 0.01). Die Medikation wurde in der Regel gut vertragen. Häufigste unerwünschte Wirkungen waren Kopfweh, Nasopharyngitis und Infektionen der oberen Atemwege.

Dieses Ergebnis stimmt hoffnungsvoll. Allerdings weisen Kommentatoren darauf hin, dass Naltrexon keineswegs bei allen Patienten hilft. Außerdem solle der Wirkstoff nur in Verbindung mit anderen Hilfsmitteln wie psychosozialer Beratung eingesetzt werden. Zusätzlich zu diesen Maßnahmen könne Naltrexon aber wertvolle Hilfe bei der Bekämpfung des Alkoholismus leisten.

MEDICA.de; Quelle: American Psychiatric Association 2005 Annual Meeting: Abstract 280