Wenn Grippe zur tödlichen Gefahr wird

Die gefährlichste Version des
Vogelgrippevirus: H5N1; © CDC

In der Regel unterscheiden sich die Jahr für Jahr im Winter wiederkehrenden Grippeviren nur in molekularen Details. Alle paar Jahrzehnte verändert sich das „Virendesign“ aber in größerem Maße. Weil sich Grippeviren von Menschen und Tieren vermischen, entsteht dabei ein neuer Virustyp. Der kann sich von den Vorgängern so stark unterscheiden, dass das menschliche Abwehrsystem den Erreger nicht mehr erkennt und schutzlos ausgeliefert ist.

Den möglichen Gefahren durch Grippeviren und anderen zurzeit aufkommenden Krankheitserregern ist im Rahmen der MEDICA 2005 in Düsseldorf ein Symposium gewidmet.

Die in Südosteuropa grassierenden Vogelgrippeviren gelten als Kandidaten für eine Grippepandemie, falls es ihnen gelingt, sich mit menschlichen Grippeviren zu verschmelzen. Ob daraus eine Katastrophe mit 20 bis 50 Millionen Toten wird, wie es bei der Spanischen Grippe Anfang des 20. Jahrhunderts der Fall war, kann jedoch niemand vorhersagen. „Alle Virologen sind sich aber darin einig, dass ein neues, pandemisches und für Menschen gefährliches Grippevirus in absehbarer Zeit auftauchen wird“, sagt Professor Hartmut Hengel, der auf der MEDICA 2005 über Influenza berichten wird. „Welche Eigenschaften diese neuen Tochterviren haben werden, kann man nicht in allen Einzelheiten vorhersagen“, erklärt der Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Düsseldorf.

Aus den USA wurde kürzlich die erfolgreiche Entwicklung eines Grippeimpfstoffs gemeldet, der Menschen vor Viren schützen könnte. Dass dieser auf Verdacht entwickelte Impfstoff aber tatsächlich bei dem nächsten pandemischen Grippevirus wirkt, kann niemand vorhersagen. Für Hengel ist deshalb jetzt eine der entscheidenden Maßnahmen, Neuraminidasehemmstoffe zu beschaffen und einzulagern. Denn: „Wenn der Tag X kommen sollte, werden die Apotheken nicht mehr liefern können“, so Hengel weiter.

MEDICA.de; Quelle: Dt. Gesellschaft zur Förderung der med. Diagnostik e. V.