Wenn Infektionserreger gemeinsam krank machen

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Die Kombination zweier oder mehrerer
Erreger kann die Behandlung deutlich
erschweren; © pixelio.de/Daarom

„In der Praxis haben wir es oft mit gemischten Infektionen durch zwei oder mehr Erreger zu tun. Das hat Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf, die Reaktionen des Körpers und schlussendlich auf den Behandlungserfolg. Koinfektionen können zum Beispiel die Immunität gegen andere Infektionserreger unterdrücken oder auch überschießende Reaktionen des Abwehrsystems auslösen“, fasst Ulrich Schaible vom Forschungszentrum Borstel zusammen. Die Infektionserkrankungen sind am 26. und 27. Januar Thema eines internationalen Symposiums in Hamburg.

Darüber hinaus können wichtige Schutzimpfungen durch bereits bestehende Infektionen beeinflusst werden. So entdeckte Susanne Nylén Spoormaker vom Karolinska Institut in Schweden mit Ihren Kollegen, dass chronische Wurminfektionen in Magen und Darm die Wirkung der TB-Schutzimpfungen und die Körperabwehr gegen den TB-Erreger hemmen. Chronischer Wurmbefall scheint in endemischen Gebieten aber nicht nur die Anfälligkeit für TB, sondern auch für HIV/AIDS und Malaria zu erhöhen – eine Herausforderung, die bei Prophylaxe und Therapie bedacht werden muss.

Robert J. Wilkinson vom Imperial College in London untersucht die Auswirkung einer HIV-Koinfektion auf die latente Tuberkulose. Diese Interaktionen und die Auswirkungen auf das Immunsystem sind auf molekularer Ebene noch wenig verstanden: „Die Wechselwirkungen sind sehr komplex und HIV-1 Koinfektionen können eine versteckte Tuberkulose dahin gehend verändern, dass es zum Ausbruch einer aktiven TB kommt.“ Welche Bedeutung hat dies für Verlaufskontrollen und die Therapie dieser Koinfektion? Antworten auf solche Fragen können nur im engen Dialog zwischen Grundlagenforschern und Klinikern gefunden werden.

„Aber auch in westlichen Ländern bereiten Koinfektionen große Probleme: mehr als 95 Prozent der Grippe-Todesfälle gehen auf eine Lungenentzündung und die Koinfektion mit bakteriellen Keimen zurück, meist Pneumokokken. Ursache sind häufig außer Kontrolle geratene Immunreaktionen auf die Influenza A-Viren, die den Bakterien den Weg bereiten. Bestandteile dieser Bakterien befeuern dann die Entzündung auch noch weiter“, so Thomas Dobner vom Heinrich-Pette-Institut.

Jonathan McCullers vom St. Jude Childrens Research Hospital in Memphis (USA) entdeckte, dass bestimmte Antibiotika, die häufig gegen Pneumokokken eingesetzt werden, die Bakterien zwar schnell zerstören, dadurch jedoch eine überschießende Entzündung entstehen kann. Die Bakterieninfektion wird durch diese „Beta-Lactame“ einerseits gestoppt, die Zerstörung des Lungengewebes schreitet andererseits jedoch fort und kann tödlich enden.


MEDICA.de; Quelle: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin