Wenn das Östrogen nicht ankommt

Wenn der Kinderwunsch nicht in
Erfüllung geht, kann das an
Alpha liegen; © PixelQuelle.de

Entscheidend für den monatlichen Eisprung der Frau ist, wie weit das Ei gereift ist, und dass das Gehirn davon erfährt. Das Hormon Östrogen, das im Eierstock gebildet wird, überbringt die Information um den 14. Tag des Fruchtbarkeitszyklus ins Gehirn. Als Antwort regen die stimulierten Nervenzellen die verstärkte Ausschüttung eines weiteren Hormons namens Gonadotropin in der Hirnanhangsdrüse an und geben so den Startschuss für den Eisprung.

Professor Günther Schütz, Leiter der Abteilung Molekularbiologie der Zelle I im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und seine Mitarbeiter zeigten, dass nur eine bestimmte Gruppe von Nervenzellen im Gehirn das Hormon-Signal empfängt. Diese Zellen brauchen den Östrogen-Rezeptor Alpha, um die Botschaft zu erkennen und setzen dann die Produktion der notwendigen Geschlechtshormone in Gang.

Östrogen-Rezeptoren sind auf die Wahrnehmung des gleichnamigen Hormons spezialisiert. Im Nervensystem sind zwei Formen der Östrogen- Rezeptoren, Alpha und Beta, verbreitet. Bekannt war bisher, dass weibliche Tiere an krankhaften Veränderungen in Eierstöcken, Brustdrüsen und Gebärmutter litten, wenn ihnen der Östrogen-Rezeptor Alpha fehlte. "Jeder einzelne dieser Defekte reicht aus, um die Tiere unfruchtbar zu machen", sagt der Biochemiker Dr. Tim Wintermantel. Es gab zudem Hinweise, dass auch der Östrogen-Rezeptor Beta für die Fruchtbarkeit wichtig ist. Um herauszufinden, welche Rolle die beiden Rezeptor-Moleküle bei der Aktivierung von Nervenzellen im Gehirn spielen, machten die Wissenschaftler mehrere Experimente.

Sie untersuchten Mäuse, denen der Östrogen-Rezeptor Alpha ausschließlich in Nervenzellen fehlte. Die zusätzliche Gabe von Östrogen löste bei diesen Tieren nicht das Hormon-Signal für den Eisprung aus. Außerdem verabreichten die Forscher gesunden, weiblichen Mäusen synthetische Moleküle. Diese Substanzen aktivierten nur den Östrogen-Rezeptor Alpha. Das allein reichte aus, um die Hormon-Produktion stark zu erhöhen. "Beide Experimente führten zu übereinstimmenden Ergebnissen", erläutert Tim Wintermantel. "Der Östrogen-Rezeptor Alpha muss nicht nur vorhanden sein, sondern auch aktiviert werden."

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum