Wenn das Internet die Psyche stört

Wenn die Hände vom Stick nicht
mehr loskommen; © Hemera

Fernsehen, Computer, Videospiele oder Internet - immer mehr Menschen nutzen immer länger und intensiver die elektronischen Medien. Im Rahmen einer Studie untersucht Dr. Bert te Wildt, Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Menschen, die sich suchtartig immer tiefer in virtuelle Welten verstricken, während sie mit ihrem realen Leben nicht mehr zurechtkommen und psychisch erkranken.

Vor Abschluss seiner Studie berichtet der Psychiater und Psychotherapeut in der Zeitschrift "Der Nervenarzt" erstmals von dem Fall einer Patientin, die im Zusammenhang mit jahrelangem exzessiven Internet-Rollenspiel eine multiple Persönlichkeitsstörung entwickelte.

Dr. te Wildt illustriert auf dem Hintergrund eines Einzelfalls, welche Auswirkungen der exzessive Medienkonsum auf die Psyche des Menschen haben kann: "Die Patientin hatte über drei Jahre täglich bis zu zwölf Stunden in einem Internet-Rollenspiel verbracht und dabei verschiedene Charaktere angenommen. Dabei übernahmen die gespielten Rollen mehr und mehr Besitz von ihrem eigenen, vernachlässigten Leben, sie verlor den Überblick über ihre eigene Identität und ihre soziale Existenz."

In einer dreimonatigen stationären Psychotherapie wurde eine multiple Persönlichkeitsstörung diagnostiziert und erfolgreich behandelt. Auch wenn das ausufernde Internetspiel bei der Patientin nicht die einzige Ursache für die Identitätsstörung war, so löste es sie aber offensichtlich aus und verfestigte das Krankheitsbild.

Laut Dr. te Wildt ermöglicht das Cyberspace auf der einen Seite, die Grenzen der eigenen Identität zu erforschen, birgt aber auf der anderen Seite die Gefahr, dass sich die eigene Identität auflöst oder zersplittert.

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Hochschule Hannover