KDS: Wenn der Blick in den Spiegel unerträglich wird

18.03.2014
Foto: Frau blickt in fleckigen schwarzen Spiegel

Die Selbstwahrnehmung von KDS-Betroffenen spiegelt nicht die Realität. Der Blick in den Spiegel kann deshalb für die Betroffenen zur Qual werden; © panthermedia.net/ Ryan Jorgensen

Menschen mit einer Körperdysmorphen Störung (KDS) beschäftigen sich unentwegt mit ihrem Erscheinungsbild und empfinden ihr Äußeres als entstellt und unansehnlich.

Welche Gefühle und Gedanken Betroffene beim Betrachten des eigenen Spiegelbilds haben, war nun erstmals Untersuchungsgegenstand einer Studie von Diplom-Psychologin Dr. Ines Kollei aus der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung (Leiterin: Prof. Dr. (TR) Yesim Erim) des Universitätsklinikums Erlangen der FAU.

Die Studienergebnisse zeigen, dass der Aufbau positiver körperbezogener Gedanken und die Vermittlung von Strategien beim Umgang mit negativen Emotionen für den Erfolg einer KDS-Therapie wesentlich sind.

Ausgangspunkt der Studie „Kognitiv-affektive Aspekte des Körperbildes bei körperdysmorpher Störung im Vergleich zu einer klinischen und nicht-klinischen Kontrollgruppe“ war eine Körperwahrnehmungsübung. Die Teilnehmer aus den unterschiedlichen Untersuchungsgruppen – jeweils 30 Personen mit einer Körperdysmorphen Störung, einer depressiven Störung und ohne psychische Störung – betrachteten sich 30 Minuten lang in einem Ganzkörperspiegel. Während der Übung sollten die eigenen Gedanken laut ausgesprochen („Think-aloud“-Methode) und die empfundenen Gefühle anschließend mithilfe eines Fragebogens protokolliert werden. Kollei und ihr Team stellten fest, dass zwar in allen Kontrollgruppen negative Gedanken, bei der KDS-Gruppe im Vergleich jedoch kaum positive Einschätzungen geäußert wurden, wie etwa „meine Haare sind schön“. „Zudem erlebten KDS-Betroffene nach der Spiegelbetrachtung ein starkes Ausmaß an Ärger sowie Traurigkeit und grübelten nach der Übung über das eigene Aussehen“, so die Psychologin. Die Studienergebnisse enthalten wichtige Hinweise für die Behandlung der KDS.

Bei Menschen, die unter dieser psychischen Störung leiden, spielt der Blick in den Spiegel eine besondere Rolle. Die Überprüfung des eigenen Aussehens erfolgt in vielen Fällen unverhältnismäßig oft. Die permanente Sorge um das äußere Erscheinungsbild und das ständige Gefühl, einen Makel zu haben, ist für die Betroffenen kräftezehrend und führt häufig zu Einschränkungen des sozialen und beruflichen Alltags.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg