Wenn zu viel Haar Probleme macht

Vor (oben) und nach 18-wöchiger
Lokalbehandlung (unten) mit
Eflornithincreme; © Charité

Zu viele Haare an den falschen Stellen können besonders für Frauen sehr belastend sein. Immerhin 30 bis 40 Prozent aller Frauen in Deutschland sind mehr oder minder stark von einer Hypertrichose betroffen. Dabei unterscheiden sich die Ursachen für den vermehrten Haarwuchs in Gesicht und am Körper bei den Betroffenen.

So können innere Erkrankungen wie Tumoren oder aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten Auslöser für die Krankheit sein. Ist das der Fall, können Mediziner die Gründe für Hypertrichose ausschalten, um den Haarwuchs wieder zu normalisieren.

Ist aber eine genetische Veranlagung Ursache für die verstärkte Behaarung, wie in circa 10-20% der Fälle, können Mediziner nur symptomorientiert behandeln. „Schließlich kann man eine solche Veranlagung nicht einfach aus dem Haarfollikel entfernen“, erklärt Professor Dr. Ulrike Blume-Peytavi von der Klinik für Dermatologie an der Charité Berlin. Da hilft dann nur noch die ästhetische Dermatologie. „Hier setzen wir Dermatologen vor allem auf die Laserepilation. Mit immer besseren Laserverfahren können die Haare zu einem immer größeren Anteil langfristig entfernt werden“, so Blume-Peytavi. Allerdings funktioniert das nur bei dunkleren, gut pigmentierten Haaren und nicht zu stark pigmentierter Haut.

Seit anderthalb Jahren gibt es aber einen Wirkstoff in Deutschland, der als Creme lokal angewendet wird und sich auch für hellere Haare eignet. Eflornithin ist ein Hemmstoff des Enzyms Ornithindecarboxylase, das die Umwandlung von Ornithin in Putrescin und andere Polyamine katalysiert, die ihrerseits auf das Zellwachstum im Haarfollikel einwirken. Wird die Bildung der Polyamine unterdrückt, wachsen die Haare langsamer. „Der Patient trägt die Creme morgens und abends dünn im Gesicht auf und nach vier bis sechs Wochen wird das Haarwachstum deutlich weniger“, so Blume-Peytavi. Die Creme wirkt aber nur solange wie sie auch angewendet wird. Grundsätzlich könnte man die Creme auch für andere Körperstellen verwenden, die großflächige Anwendung wäre jedoch sehr teuer.

Eflornithin belegte seine Wirkung in zwei großen randomisierten und placebokontrollierten Studien an insgesamt 596 Frauen mit verstärktem Haarwachstum im Gesicht. Etwa ein Drittel der Frauen sprach sehr gut auf den Wirkstoff an. Sie beschrieben ihren Zustand als „rein“, „fast rein“ oder mit einer „deutlichen Besserung“. Ein weiteres Drittel der Patienten erlebte eine Besserung und beim letzten Drittel gab es keine Veränderung oder der Zustand verschlechterte sich sogar. Alle erfolgreich behandelten Frauen beschrieben eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Häufig werden daher kombinierte Therapien mit Eflornithin und Laserepilation empfohlen. „Die Fortschritte, die wir in den letzten Jahren durch die erfolgreiche Laserepilation erzielt haben, in Kombination mit Eflornithin und einer verbesserten systemischen Hormontherapie mit geringeren Nebenwirkungen, ermöglichen eine sehr gute Behandlung der Hypertrichose und des Hirsutismus“, sagt Blume-Peytavi.

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