Wettlauf zwischen Erreger und Wirt

Phosphatreste auf den Erbutsträngen
verraten das Virus ; © PHIL

Die Detektion von Viren als körperfremde Partikel ist schwierig. Viren bestehen aus demselben Material wie die Wirtszelle, welche gekapert und zu einer Virusfabrik umprogrammiert wird. Bisher ging man davon aus, dass doppelsträngige Ribonukleinsäuren, die so genannte ds-RNA, der einzige zuverlässige Indikator der Virusvermehrung sind. Mehrere zelluläre Rezeptoren sind in der Lage, ds-RNA zu binden und eine Signalkaskade einzuleiten, die zur Produktion von Interferonen führt. Die Interferone wirken als Botenstoffe, die das betroffene Gewebe in einen "antiviralen Zustand" der erhöhten Abwehr versetzen und das Immunsystem alarmieren.

Die Forschergruppe um Dr. Friedemann Weber an der Abteilung Virologie des Universitätsklinikums Freiburg konnte nun nachweisen, dass Grippeviren es geschafft haben, von vorneherein die Produktion des Indikatormoleküls ds-RNA zu vermeiden. Die Wissenschaftler konnten weiterhin zeigen, dass die Zellen dennoch einen Weg gefunden haben, Grippeviren eindeutig zu erkennen. Die Enden der viralen Erbgutstränge weisen nämlich markante Phosphatreste auf, die stark Interferon-induzierend wirken.

Durch gezieltes Ausschalten zellulärer Gene identifizierten die Forscher den dafür zuständigen Rezeptor. Interessanterweise wird dieser Rezeptor wiederum von einem viralen Protein gebunden und inaktiviert. Dieses Protein stand schon lange im Verdacht, die Wirksamkeit der Interferonantwort zu dämpfen. Virus und Wirtsorganismus befinden sich also in einem stetigen Wettlauf, der wesentlich durch den Zeitpunkt der Interferon-Aktivierung entschieden wird. Diese neuen Erkenntnisse können helfen, therapeutische Strategien zu verbessern und neuartige Impfstoffe zu entwickeln.

MEDICA.de; Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg