Wichtiger Mechanismus bei hormonsensitiven Brusttumoren aufgeklärt

Foto: Brustkrebszellen

Fluoreszenzmikroskopische Auf-
nahme von Brustkrebszellen;
©Lutz Langbein/ Deutsches Krebs-
forschungszentrum

Die Forscher erklärten, dass das Ergebnis dazu beitragen könnte, neue Strategien zu entwickeln, um die häufigste Krebserkrankung bei Frauen zu bekämpfen.

Zwei Drittel aller Brustkrebsfälle sind ERα-positiv, das heißt: In ihren Zellen finden sich viele Östrogen-Rezeptoren vom Typ ERα. „Diese Moleküle können Wechselwirkungen mit dem Hormon Östrogen eingehen und dadurch auch zur Krebsentstehung führen“, erklärt Doktor Jörg Hoheisel; Molekularbiologe im Deutschen Krebsforschungszentrum.

„Der Zusammenhang zwischen der Konzentration des Rezeptors ERα und dem Auftreten von Brustkrebs ist bereits länger bekannt. Schon frühe Entwicklungsstadien von Brustkrebs stellen zuviel von diesen Rezeptoren her. Damit hängt eine erhöhte Zellteilung zusammen, die letztendlich für die Entwicklung von Tumoren verantwortlich ist“, so Hoheisel.

Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Doktor Yasser Riazalhosseini und Pedro de Souza Rocha Simonini konnte Hoheisel jetzt zeigen, dass eine winzig kleine Nukleinsäure, die MicroRNA namens miR-375, Auslöser der hohen Rezeptor-Konzentrationen ist, die in vielen Fällen zu Krebs führen. MicroRNAs sind wichtige Botenstoffe innerhalb von Zellen, die die Wirksamkeit von Genen entscheidend beeinflussen.

miR-375, so entdeckten die DKFZ-Forscher, blockiert die Produktion eines Enzyms, das die Bildung von ERα-Rezeptoren beeinflusst: So führt eine hohe miR-375-Konzentration zur Bildung von vielen Östrogen-Rezeptoren. Gleichzeitig bewirkt die erhöhte Konzentration von ERα, dass mehr miR-375 gebildet wird. Die auf diese Weise entstandene Rückkoppelung kurbelt die Vermehrung der Krebszellen weiter an.

Die Wissenschaftler präsentieren auch einen ersten Hinweis auf eine mögliche medizinische Anwendung des neu gewonnenen Wissens: „Wir konnten die MicroRNA miR-375 in ERα-positiven Brustkrebszellen blockieren – dies hat das Wachstum der Krebszellen wirkungsvoll verlangsamt.“ Ob und wie miR-375 in Zukunft eine Rolle bei der Behandlung von Brustkrebs spielen wird, kann Hoheisel noch nicht abschätzen: „Wir hoffen aber, mit unseren Ergebnissen in Zukunft neue Strategien gegen Tumoren mit zu vielen Östrogen-Rezeptoren entwickeln zu können.“


MEDICA.de; Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum