Wichtiges Enzym identifiziert

Foto: Dicker Mann

Die Forscher hoffen durch die
Ergebnisse, neue Therapien ent-
wickeln zu können;© Hemera

Adipositas ist eine Gesundheitsstörung, die durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst wird. Neben zu hoher Kalorienaufnahme spielen auch genetische Komponenten eine Rolle. In den letzten Jahrzehnten haben Übergewicht und Fettleibigkeit weltweit so stark zugenommen, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer Pandemie spricht.

Da die Umstellung von Ess- und Bewegungsverhalten, die einzigen wirksamen nicht-invasiven Behandlungsmethoden, stark von der Persönlichkeitsstruktur des Betroffenen abhängt, wird weltweit intensiv nach Wirkstoffen zur Behandlung der Adipositas gesucht. Trotz immenser Forschungsbemühungen gibt es aber immer noch keine entsprechende Dauermedikation. Um die Entwicklung von Therapieoptionen für die langfristige Behandlung der Adipositas voranzutreiben, müssen die zugrunde liegenden genetischen und biochemischen Grundlagen, die zur Entwicklung der Fettleibigkeit beitragen, besser verstanden werden.

Dies ist den Forschern nun gelungen. Sie beobachteten bei Mäusen, denen die NEP komplett fehlt, eine erhöhte Nahrungsaufnahme und einen exzessiven Anstieg des Körpergewichtes infolge von massiven Fetteinlagerungen. Diese adipösen Mäuse zeigen genau wie viele fettleibige Menschen Störungen im Fett- und Zuckerwechsel und eine stark verschlechterte Glukosetoleranz. Sowohl die Stoffwechselstörungen als auch der Anstieg im Körpergewicht konnten auch in normalen Labormäusen beobachtet werden, denen der synthetische NEP-Hemmer Candoxatril ins Trinkwasser gegeben wurde.

In einem Krankheitsmodell, der Kachexie, bei dem nicht die Gewichtsreduktion, sondern der verlangsamte Gewichtsverlust das Ziel der Behandlung ist, konnte die Gabe von Candoxatril den rapiden und oft tödlichen Gewichtsverlust verzögern. Da Candoxatril nicht die Blut-Hirn-Schranke passieren und somit nur in der Peripherie wirken kann, scheint die periphere NEP und nicht die im zentralen Nervensystem (Gehirn) vorhandene entscheidend für diese Prozesse zu sein.

Aus diesen Ergebnissen kann geschlossen werden, dass die genetische und pharmakologische Inaktivierung der NEP zu einem Anstieg der Körperfettmenge führt. Das von Walther beschriebene Adipositasmodell ist ein neuartiger Ansatzpunkt zur Untersuchung der molekularen Mechanismen, die zur Entstehung und zum Voranschreiten der Adipositas beitragen. Darüber hinaus eignet es sich auch zur Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieansätze für die Fettleibigkeit.


MEDICA.de; Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen