Streptococcus pneumoniae ist bei Erwachsenen und Kindern der häufigste und zugleich aggressivste Erreger der bakteriellen Hirnhautentzündung (Meningitis). Viele Patienten sterben, viele weitere behalten bleibende Gehirnschäden. In ihrer Dissertation an der Humboldt Universität Berlin ging Dr. Annett Halle den molekularen Ursachen der schweren Krankheit nach.

Sie untersuchte, ob lebende Pneumokokken oder ihre Produkte im Reagenzglas zu einer Schädigung von bestimmten Gehirnzellen, den zerebralen Endothelzellen, führen. Diese Endothelzellen schützen das Gehirn vor Stoffen, die im Blut zirkulieren: Sie bilden gleichsam eine Barriere, die so genannte Blut-Hirn-Schranke.

Bei einer Pneumokokken-Infektion der Hirnhaut bilden die Bakterien Giftstoffe, welche die Endothelzellen sozusagen in den Selbstmord treiben, der Fachbegriff lautet programmierter Zelltod oder Apoptose. Halles Untersuchung zeigte, dass ein bestimmtes Protein - der "Apoptosis Inducing Factor" (AIF) - die Ursache für den Zelltod bei einer Pneumokokkenmeningitis ist. Von großer Bedeutung ist zudem, dass die Zellgifte Wasserstoffperoxid und Pneumolysin, die von den Bakterien freigesetzt werden, als Auslöser des endothelialen Zelltodes identifiziert werden konnten.

Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich die nächsten Schritte: "Zum Schutz der Blut-Hirn-Schranke könnten unterstützende Arzneien entwickelt werden", sagt Annett Halle, "die vom Wirkprinzip an einem oder mehreren der untersuchten Mechanismen ansetzen." Beispielweise wäre der Einsatz von Wasserstoff abbauenden Wirkstoffen vorstellbar. Annett Halle weiter: "Ebenso könnten Antikörper helfen, welche AIF unterdrücken und so den Zelltod verhindern."

Für ihre Forschung erhält die junge Wissenschaftlerin den Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis 2006 des Forschungsverbundes Berlin.

MEDICA.de; Quelle: Forschungsverbund Berlin