Wie Leitlinien Bettgitter und Gurte verhindern können

Foto: Hand einer alten Dame am Bettrand

Es geht auch ohne Gurte in der
Pflege; © panthermedia.net /
Michael Nowak

Zu diesem Ergebnis kamen die Universität Hamburg und die Arbeitsgruppe Klinische Pflegeforschung an der Universität Witten/Herdecke.

Die sogenannten Freiheitseinschränkende Maßnahmen (FEM) in der Pflege sind ethisch umstritten und gesetzlich als letztes Mittel der Wahl vorgesehen. Eine frühere Studie der Gesundheitswissenschaften an der Universität Hamburg ergab, dass in Hamburger Pflegeheimen sogenannte Fixierungen bei 26 Prozent der Heimbewohner angewendet werden – in den häufigsten Fällen sind es Bettgitter.

Für die aktuelle Studie wurden per Zufallsverfahren 18 Pflegeheime einer Interventionsgruppe und 18 Heime einer Kontrollgruppe zugeteilt. In der Interventionsgruppe schulten die Wissenschaftler alle Pflegekräfte nach der neuen Leitlinie. Außerdem wurden spezielle FEM- Beauftragte benannt und Informationsmaterialien für Bewohner, Angehörige, gesetzliche Betreuer und Pflegekräfte bereitgestellt.

Zudem versicherten die Heime der Interventionsgruppe, sich dafür einzusetzen, die FEM zu verringern. Die Kontrollgruppe hingegen erhielt eine kurze schriftliche und mündliche Information über FEM.

Während der sechs Monate des Untersuchungszeitraums sank die Anzahl der mit FEM versehenen Bewohner in den Interventionsheimen von 31,5 Prozent auf 22,6 Prozent. In der Kontrollgruppe blieb die Zahl der FEM nahezu unverändert: 30,6 Prozent bei Studienbeginn und 29,1 Prozent bei Ende der Studie.

In der Interventionsgruppe wurden alle Arten von FEM reduziert. Im Vergleich zu den Pflegeheimen der Kontrollgruppe zeigte sich, dass es keine negativen Auswirkungen gab. So kam es weder zu einer Zunahme von Stürzen oder sturzbedingten Verletzungen noch zu einer vermehrten Verordnung von Psychopharmaka.

Die Forschergruppe kommt zusammenfassend zu dem Ergebnis, dass es unter den aktuellen finanziellen und personellen Bedingungen in den Pflegeheimen möglich ist, FEM mittels des entwickelten Programms wirksam und sicher zu reduzieren.

Das Projekt wurde seit 2007 mit 420.000 EUR im Rahmen des Pflegeforschungsverbundes Nord vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

MEDICA.de; Quelle: Universität Hamburg