Wie Stammzellen die Erkrankung beeinflussen

Zum Hintergrund: Tumorgewebe ähnelt chronisch entzündetem Gewebe. Bekannt ist bisher, dass durch die chronische Entzündung Zellen des Immunsystems sowie blutbildende Stammzellen aus dem Knochenmark aktiviert werden. "Die Stammzellen werden angelockt, da sie eine Art Reparaturkolonne im Körper darstellen, die für die Neubildung von Gewebe zuständig ist. Dabei stellt die Zellfusion eine Möglichkeit dar, wie Stammzellen zerstörtes Gewebe regenerieren", erklärt Dittmar.

Aus der Verbindung von Stammzelle und Tumorzelle entstehen "Hybridzellen", die im Vergleich zu den Elternzellen neue, veränderte Eigenschaften aufweisen: "Wir konnten sehen, dass hierbei Hybridzellen entstehen, die gegen gängige Chemotherapeutika resistent sind. Außerdem sprechen sie auf Stoffe an, die mit der Ausbreitung von Brustkrebszellen in die Lymphknoten, also der sogenannten Metastasierung, im Zusammenhang stehen", beschreibt Dittmar.

Somit könnte die Fusion zwischen Stammzellen und Tumorzellen maßgeblich zum Verlauf der Krebserkrankung beitragen. Hybridzellen könnten stärker metastasieren. "De facto ist es so, dass Krebspatienten in der Regel an den Metastasen und nicht am Primärtumor sterben", so Dittmar. "Grund hierfür ist, dass der Primärtumor zumeist operativ entfernt werden kann, was jedoch bei den Metastasen aufgrund ihrer Größe und Anzahl nicht möglich ist." Darüber hinaus wären Hybridzellen durch die erhöhte Resistenz gegenüber Zytostatika in der Lage, die Chemotherapie zu überleben und nachfolgend die Bildung von Rezidiven, also die erneute Tumorerkrankung, zu verursachen.

"Es ist ebenfalls denkbar, dass der Prozess der Fusion zwischen Tumorzellen und Stammzellen gerade während der Krebstherapie zum Tragen kommt", so der Forscher. Bedingt durch Chemotherapie oder Bestrahlung sterben Tumorzellen ab, wodurch es zu einer verstärkten Entzündungsreaktion im Tumorgewebe kommt. Diese Entzündung lockt verstärkt blutbildende Stammzellen an und erhöht so möglicherweise die Anzahl von Zellfusionen zwischen Stammzellen und Tumorzellen.

"Letztlich stellen die Chemotherapie oder die Bestrahlung einen Selektionsprozess für Tumorzellen dar. Durch Fusion mit Stammzellen oder anderen Zellen könnten entstehende Hybridzellen einen Überlebensvorteil besitzen, sodass sie die Krebsbehandlung überleben", vermutet Dittmar.

Der Forschergruppe geht es bei ihrer weiteren Arbeit darum, den Steuerungsmechanismus der Zellfusion besser zu verstehen.


MEDICA.de; Quelle: Private Universität Witten/Herdecke gGmbH