Wie das Immunsystem Krebs erkennt

13.11.2015
Foto: Virus- und Immunzellen

Erst seit es 2010 gelang, mit Wirkstoffen bestimmte "Bremsen" des Immunsystems zu lösen, können Krebsmediziner mit Immuntherapien Behandlungserfolge erzielen; © panthermedia.net/ Ugreen

Der mit 50.000 Euro dotierte Meyenburg-Preis 2015 geht an den Immunologen Ton Schumacher vom Netherlands Cancer Institute in Amsterdam. Er erhält die Auszeichnung für seine Arbeiten zur Immunabwehr von Krebs. Schumacher konnte in wegweisenden Studien zeigen, dass eine Krebs-Immunabwehr von veränderten Proteinstrukturen abhängt, die durch Erbgut-Mutationen in den Tumorzellen entstehen.

Die Idee, Krebs mit den Waffen des körpereigenen Immunsystems zu bekämpfen, ist bestechend. Doch erst seit es 2010 gelang, mit Wirkstoffen bestimmte "Bremsen" des Immunsystems zu lösen, können Krebsmediziner mit Immuntherapien Behandlungserfolge erzielen.

Inzwischen gibt es Medikamente gegen verschiedene solcher "Immunbremsen", die bei zahlreichen, teilweise auch fortgeschrittenen Krebsarten das Überleben von Patienten verlängern.

Wie unterscheiden die Abwehrzellen zwischen gesundem Gewebe und Krebszellen? Die in Krebszellen zahlreichen Erbgut- Mutationen können dazu führen, dass Proteine in veränderter Form gebildet werden. Da diese Protein-Varianten während der Krebserkrankung neu entstehen, werden sie als "Neoantigene" bezeichnet.

Forscher postulieren seit langem, dass sie ideale Zielscheiben für die Abwehrzellen darstellen, denn diese neuen Strukturen erkennt das körpereigene Immunsystem als fremd. Das würde auch bedeuten, dass Tumore mit besonders vielen Mutationen eher durch Immuntherapie zu kontrollieren wären.

Den Beweis für diesen Zusammenhang konnte Ton Schumacher erbringen: Unter anderem verglich er in einer Studie das Tumorerbgut vieler Lungenkrebs-Patienten und fand heraus, dass die Immuntherapien dann am besten wirkten, wenn die Krebszellen besonders viele Neoantigene enthalten.

"Die Bedeutung von Ton Schumachers Ergebnissen lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen", sagt Christof von Kalle, Vorstandsmitglied der Meyenburg-Stiftung. "Denn nur wenn wir verstehen, wogegen das Abwehrsystem genau reagiert, können wir vorhersagen, wem eine Immuntherapie vermutlich hilft und wie man sie weiter verbessern kann."

So lassen sich zum Beispiel Abwehrzellen, die gegen Neoantigene reagieren, im Blut der Patienten nachweisen. Daran können Ärzte frühzeitig überprüfen, ob eine Immuntherapie anschlagen wird und der Patient genügend spezifische Killerzellen gegen den Tumor aktiviert.

Die Tumor-Neoantigene, gegen die sich das Immunsystem richtet, unterscheiden sich von Patient zu Patient. Deshalb wollen Immunologen in Zukunft die wichtigen Neoantigene der individuellen Tumoren ermitteln. Anschließend lassen sich dem Patienten entnommene Abwehrzellen so verändern, dass sie die Neoantigene erkennen und den eigenen Tumor angreifen können.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

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