Wie das Suchtgedächtnis beeinflusst werden kann

Auf Basis der neuesten Erkenntnisse könnte eine pharmakologische Suchttherapie entwickelt werden, die es ermöglicht, das Suchtgedächtnis von abhängigen Menschen entsprechend zu beeinflussen. Die zu entwickelnden Medikamente sollen die in der Psychotherapie von Abhängigen angestrebte Veränderung medikamentös unterstützen.

Dabei handelt es sich um eine der größten Herausforderungen bei der Therapie von drogenabhängigen Menschen: Auch Jahre nach Beendigung des Drogenmissbrauches ist die Abhängigkeit der Betroffenen im sogenannten Suchtgedächtnis gespeichert. Das bedeutet, es besteht nach einer erfolgreichen Entzugstherapie die Gefahr eines Rückfalles.

2006 hatten die Wissenschafter am Tiermodell zeigen können, dass bei beginnendem Interesse für eine Droge der „Lernbotenstoff“ Azetylcholin und nicht wie angenommen das als „Glücksbotenstoff“ bekannte Dopamin vermehrt freigesetzt wird. „2008 haben wir dann die Hirnregion und das betroffene Neurotransmittersystem weiter eingegrenzt“, erklären die Zernig und Saria den Verlauf ihrer bisherigen Forschungsarbeit.

Maßgeblich beteiligt an diesen Erkenntnissen war Doktor Jose A. Crespo. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat Crespo herausgefunden, dass durch Verabreichung selektiver Inhibitoren die lokalen Azetylcholin-Rezeptoren im Nucleus accumbens, dem Suchtzentrum im Gehirn, entsprechend beeinflusst werden können.

„Rezeptoren im Suchtzentrum des Gehirns binden das Acetylcholin und aktivieren eine spezielle Form der Proteinkinasen, die sogenannte Proteinkinase C zeta (PKCzeta) und deren molekulares Bruchstück, Proteinkinase M zeta (PKMzeta). Werden diese atypischen Proteinkinasen-Aktivitäten durch einen selektiven Inhibitor blockiert, entwickelt das Versuchstier kein Drogensuchtverhalten mehr“, erklärt Crespo den komplexen Prozess. „Unsere Ergebnisse eröffnen ein neues pharmazeutisches Target für die Entwicklung einer effektiven Therapie von Langzeit-Suchtabhängigen.“

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Universität Innsbruck