T-Zellen sind wichtige Bestandteile der menschlichen Immunabwehr, die fremde Erreger wie Bakterien und Viren erkennen und bekämpfen. Damit sich die immunologischen Wächter aber nicht gegen den eigenen Körper richten, werden sie während ihrer Entwicklung auf die Toleranz gegenüber dem köpereigenen Umfeld geprüft.

Dabei müssen heranreifende T-Zellen an so genannte MHC-Moleküle binden. Die Stärke dieser Bindung entscheidet über das Schicksal der Zellen: Ist die Bindung zu schwach entwickeln sie sich nicht mehr weiter. Fällt die Bindung jedoch zu stark aus, wird der programmierte Zelltod eingeleitet und die T-Zellen eliminiert.

Zu fertigen Abwehrzellen reifen ausschließlich T-Zellen heran, die mit mäßiger Stärke MHC binden können. Diese Selektion ist äußerst wichtig: Denn verbleiben T- Zellen im Körper, welche sehr stark an MHC Moleküle binden, können sie den eigenen Körper angreifen und bilden so Ausgangspunkt für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, Diabetes oder Multipler Sklerose.

Mittels quantitativer Analysen ist es nun Forschern gelungen, die präzise Stärke der Bindung zwischen T -Zell-Rezeptor und MHC-Liganden zu bestimmen, aufgrund derer das Immunsystem autoimmune T-Zellen in einer frühen Phase ihrer Entwicklung erkennt und eliminiert.

Sie konnten außerdem zeigen, dass der Wert dieser Selektionsschwelle (Dissoziationskonstante: 6.1 x 10-6 mol/L) von der Spezifität der T-Zellen unabhängig ist, und somit eine bio-physikalische Bindungs-Konstante darstellt, welche für die Entwicklung aller zytotoxischen T-Zellen des Immunsystems von zentraler Bedeutung ist. Diese Forschungsresultate liefern nicht nur weitere Erkenntnisse in der Entstehung von Autoimmunerkrankungen, sondern tragen auch zu einem umfassenderen Verständnis von Abstoßungsreaktionen nach Organ-Transplantationen bei.

MEDICA.de; Quelle: Universität Basel