Wie der menschliche Kreislauf auf Aufenthalte im Weltraum reagiert

Foto:  Paula Beck und Ulrich Limper in Schwerelosigkeit

Das Ärzteteam der Universität Witten/
Herdecke untersucht in Kooperation
mit dem Deutschen Zentrum für Luft-
und Raumfahrt (DLR) das menschliche
Herz-Kreislaufsystem unter Mond- und
Marsschwerkraft; © DLR

Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten und Wissenschaftlern der Universität Witten/Herdecke und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter Leitung von Professor Frank Wappler, Lehrstuhlinhaber für Anästhesiologie an der UW/H, untersucht die Auswirkungen der Schwerkräfte von Mond und Mars auf den menschlichen Kreislauf. Bislang war es nicht möglich, die Schwerkraftverhältnisse dieser Himmelskörper auf der Erde zu erzeugen und für wissenschaftliche Experimente zu nutzen. „Diese einmalige Chance boten uns nun die ersten Parabelflüge mit einem Airbus, die nicht völlige Schwerelosigkeit, sondern die Gravitationskräfte von Mond oder Mars herstellten“, beschreibt Paula Beck, Alumna der UW/H und Ärztin in Weiterbildung für Chirurgie im Helios-Klinikum Wuppertal, die neue Forschungssituation.

„Wir konnten im Rahmen unserer Studie insgesamt 59 Aufstehversuche mit 6 Probanden durchführen und die Daten sehen sehr vielversprechend aus.“ Ulrich Limper, Assistenzarzt in der Anästhesie des Wittener Universitätsklinikums Köln-Merheim, ist zufrieden mit dem Ablauf des monatelang geplanten Experiments. Die Probanden mussten, mit Elektroden und einem speziellen Fingerblutdruckmessgerät bestückt, von einer Liege aufstehen und dann möglichst ruhig stehen bleiben, während Herzschlag, Blutdruck und weitere Kreislaufparameter von sensiblen Messgeräten millisekundengenau aufgezeichnet wurden.

Die Ergebnisse der Studie sollen nicht nur helfen, mögliche Gefahren für Astronauten zu erkennen, sondern dienen auch höchst irdischen Zwecken: Vor allem bei bettlägerigen Patienten kommt es häufig zu einer Schwächung des Kreislaufsystems, ähnlich wie in langen Phasen der Schwerelosigkeit. Je genauer man das menschliche Kreislaufsystem unter diesen Bedingungen versteht, desto gezielter können Gegenmaßnahmen entwickelt werden.

Ein Folgeexperiment ist bereits in Planung, Ulrich Limper und Paula Beck werden dieses nicht nur durchführen, sondern auch wieder selber als Probanden fungieren: „Spritzen gegen Übelkeit, Blutentnahmen vor und nach dem Flug, sehr eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten, wir wissen genau, was wir unseren Versuchspersonen zumuten.“


MEDICA.de; Quelle: Universität Witten/Herdecke