Wie macht man mehr Organe "fit" für die Transplantation?

14/10/2016

Die Zahl der zur Verfügung stehenden Spenderorgane ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Aus diesem Umstand ist die Notwendigkeit erwachsen, die Organe von Spendern mit Vorerkrankungen nutzbarer zu machen.
Bild: Eine in Blau gekleidete Chirurgin hält ein kleiner Herzmodell in der Hand; Copyright: panthermedia.net/Csaba Deli

Viele potenzielle Spenderorgane sind momentan wegen Vorerkrankungen der Spender noch von der Spende ausgeschlossen. Eine Lösung, um diese nutzbar zu machen, kann den bestehenden Organmangel lindern; © panthermedia.net/ Csaba Deli

Es gibt einen hohen Bedarf an Spenderorganen (über 10.000 Patienten sind auf der Warteliste), aber es stehen nur wenige zur Verfügung: 2015 wurden insgesamt 3.777 Organe bundesweit übertragen. Darunter waren 691 Organe von Lebendspendern. Angesichts dieses gravierenden Mangels erscheint es wichtig, möglichst viele der wenigen, zur Verfügung stehenden Organe auch zu nutzen, auch solche von Spendern, die als "expanded criteria donor" (ECD) gelten, und sie für eine Transplantation „fit“ zu machen. Was sind ECD-Spender? Spender über 50 Jahre, auf die mindestens zwei der folgenden Kriterien zutreffen, Bluthochdruck, Kreatinin >1,5 mg/dl oder Schlaganfall oder Spender über 60 Jahre. Nach diesen Kriterien wären drei Viertel aller Spender in Deutschland ECD.

Eine Möglichkeit, die Qualität von Organen von ECD-Spendern zu verbessern, ist die Maschinenperfusion, in der die Organe von der Entnahme bis zur Transplantation besser durchblutet werden können. Eine Multicenterstudie unter Beteiligung des Transplantationszentrums Essen hat den Vorteil dieses Verfahrens gegenüber kalt gelagerten Organen bestätigt. Eine weitere Chance, um mehr Organe für eine Transplantation verwenden zu können, liegt im Bereich der Transplantationsinfektiologie. Es wird intensiv und interdisziplinär diskutiert, unter welchen Umständen Organe mit einer Infektion für eine Transplantation verwendet werden können. Die Verwendung von Organen mit bakteriellen oder viralen Infektionen, die durch eine gezielte Prophylaxe oder Behandlung bekämpft werden können, ist durchaus vertretbar. Wichtig ist dann aber die Selektion geeigneter Empfänger, welche durch Impfungen oder vorherige Infektionen bereits einen immunologischen Schutz haben.

Die Transplantationsmedizin hat in den vergangenen Jahren viele Strategien entwickelt, um auch Organe von "expanded criteria"“-Spendern nutzbarer zu machen. Viele Organe, die noch vor zehn Jahren verworfen wurden, können heutzutage dank des medizinischen Fortschritts verwendet werden. "Das ist für viele Patienten ein Segen. Die ECD-Organe retten mehreren hundert Empfängern Jahr für Jahr das Leben", erläutert Prof. Björn Nashan, Hamburg, Past-Präsident der DTG.

Dennoch sieht sich die Transplantationsmedizin hier aber auch in einer Zwickmühle: "Wir machen Organe von ECD-Spendern nutzbar. Wir ermöglichen damit Patienten, die sonst binnen weniger Tage oder Wochen versterben würden, das Überleben. Doch das Organ eines ECD-Spenders wird in der Regel auch bei bester medizinischer Nachsorge des Patienten nicht die Qualität und Lebensdauer eines Organs von einem gesunden Spender erreichen. Wenn dann aber die Transplantationsmedizin an der Ergebnisqualität gemessen wird und die Frage im Raum steht, warum sich trotz medizinischer Fortschritte die Lebensdauer von Transplantaten nicht verbessert hat, werden zwei unterschiedliche Maßstäbe verwendet ", erklärt Prof. Bernhard Banas, Regensburg, Präsident der DTG. "Die Transplantationsmedizin ist medizinisch auf einem sehr hohen Niveau. Solange aber ECD-Organe verwendet werden müssen, ist die enorm hohe Erwartung an die Ergebnisqualität nicht fair – es wäre ein bisschen so, als würde man Nico Rossberg mit einem Unfallwagen bei einem Rennen antreten lassen und sich hinterher beschweren, dass er nicht den Sieg geholt hat", so Banas.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Transplantationsgesellschaft e.V.

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