Wie sieht die vernetzte Zukunft im Gesundheitsbereich aus? Das MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM gibt Antworten

Foto: MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM in Halle 15

28.09.2016

Digitale Gesundheitslösungen bringen Fortschritt. Was einerseits banal klingt, verdient eine differenziertere Betrachtung. Das MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM beschäftigt sich messetäglich im Rahmen der weltweit führenden Medizinmesse MEDICA 2016 in Düsseldorf vom 14. – 17. November damit, wie die vernetzte Zukunft im Gesundheitsbereich aussehen wird. Spannende Fragen ergeben sich in Anbetracht aktueller Entwicklungen und sie verlangen nach Antworten. Wie können die unzählig vielen Apps und Wearables in den verschiedenen Marktsegmenten optimalen Nutzen stiften – vom privaten, präventiven über den Therapie- bis zum Reha-Bereich, intersektoral und interdisziplinär? Und wie kann die Vernetzung genutzt werden im Sinne des Patienten?

Ein Beispiel für die Vielfalt, die beim MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM genauer betrachtet wird, ist der Diabetes. Zurzeit sind zahlreiche digitale Lösungen auf dem Markt, die in der Diabetes-Behandlung und der Prävention zum Einsatz kommen können. Das thematisiert das Forum in der Halle 15 am Donnerstag, 17. November. Dabei wird sich zeigen: Der digitale Wandel reicht von Systemen, die Prävention durch Bewegung und richtige Ernährung verbessern sollen, über das Messen und die Kenntnis der eigenen Körperwerte, bis hin zu Lösungen, die den Alltag mit Diabetes erleichtern.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur automatischen und richtigen Insulindosierung ist es, den Blutzucker ohne Blutentnahme zu bestimmen: Ohne Pik den Blutzucker zu messen, das ermöglichen Wearables wie das smarte Pflaster `Freestyle Libre´ bereits heute. Das Wissen um den eigenen Blutzuckerwert soll den Betroffenen Sicherheit vor Über- und Unterzuckerung geben. Sie können den Wert bei Bedarf jederzeit ablesen.

Krankenkassen zeigen sich offen für digitale Innovationen

Vor allem wenn Kinder betroffen sind, vereinfacht dies das Leben der betroffenen Familien. So müssen Kinder nicht mehr zu frühen Morgenstunden oder spät am Abend geweckt werden, um den Blutzucker zu messen. Wird ein Lesegerät oder ein Android-Smartphone, mit der dazugehörigen App, über einen am Arm platzierten Pflaster mit dem Sensor geführt, erfolgt ein Scan. Gemessen wird der Glukosespiegel in der Zwischenzellflüssigkeit. Nach dem Scan erscheinen auf dem Display neben dem aktuellen Glukosewert weitere Informationen, darunter der Verlauf der letzten acht Stunden und ein Trendpfeil, der anzeigt, in welche Richtung sich der Glukosewert bewegt. Das Kind kann dabei weiterschlafen, wenn keine Insulingabe erforderlich ist. Der Arzt benötigt für die Auswertung der Daten die dazugehörige Software und ein Lesegerät. Er erhält dafür die gemessenen Glukosewerte in strukturierter Form auf einen 24h-Standard-Tag. Das Pflaster kann etwa zwei Wochen am Oberarm getragen werden und wird danach durch ein neues ersetzt. Zwei der größten gesetzlichen Krankenkassen – die Techniker Krankenkasse (TK) und die DAK-Gesundheit (DAK) – übernehmen bereits jetzt die Kosten für das innovative `Smart Patch´ in Form einer Satzungsleistung für Erwachsene und Kinder ab vier Jahren. Folgerichtig sollen es künftig auch für die Insulinpumpen neue Wearables – u. a. Pflaster - geben, die automatisch und in richtiger Dosierung Insulin an den Patienten abgeben. An welchen neuen Lösungen weltweit gearbeitet wird, kann man beim Forum in Düsseldorf in der Session am 17. November erfahren.

Wearables im Einsatz für die Prävention

Zahlreiche Wearables, also tragbare Technologien, treten an, eine präventive Lebensweise und dabei Volkskrankheiten wie Diabetes Typ 2 zu unterstützen und den Nutzer sinnvoll zu begleiten. Am Montag den 14. November werden einige spannende Beispiele in der `Wearables´-Session präsentiert. So messen Smart Watches und Fitnessbänder präzise den Herzschlag und die Herzratenvariabilität (HRV), aus der sich beispielsweise die maximale Sauerstoffaufnahme, die Regeneration oder der Stresslevel des Trägers ermitteln lassen.

Ein Beispiel ist Firstbeat: Das Unternehmen bietet unter anderem Lösungen für professionelle Teams, Athleten und den Wellness-Bereich an. Zwar strebe Firstbeat keine Zulassung als Medizinprodukt an, wie Dr. Christoph Rottensteiner für das Unternehmen berichtet: „Für uns ist es jedoch wichtig, ein physiologisch exaktes, digitales Modell der jeweiligen Person zu erstellen.“ Wissenschaftsbasierte Algorithmen werten dazu die Herzratenvariabilität aus – also die zeitlich unterschiedlichen Abstände zwischen zwei Herzschlägen, die ständigen Schwankungen unterliegen. Die Quantifizierung dieser Schwankungen ergibt die HRV. Die Algorithmen von Firstbeat ermöglichen einen exakten Einblick in den physiologischen Zustand des Trägers, wie etwa Stressbelastung und Fitnesslevel, ebenso wie die Schlafqualität und Regeneration. Der `Firstbeat Bodyguard´ wird dabei in der Regel über 72 Stunden hinweg getragen und kann auch wertvolle Hinweise für Ärzte liefern. Künftig will das Unternehmen verstärkt sich noch stärker in Richtung der Konsumentenbedürfnisse hin orientieren und helfen, physiologische Daten noch benutzerfreundlicher wiederzugeben. Aber benötigt man dazu wirklich ein spezielles Gerät? „Entscheidend ist die genaue Analyse der HRV-Daten, damit diese dann aufzeigen, dass z.B. eine Ruhepause im Alltag sinnvoll wäre, um gestärkt seinen Tätigkeiten nach zu gehen “, erläutert Christoph Rottensteiner.

Vom Asthma-Frühwarnsystem bis hin zum „Alleskönner“-Brustgurt

Ein weiteres Beispiel ist ADAMM (Automated Device for Asthma Monitoring and Management) von Health Care Originals, ein Wearable für Asthma-Patienten. Als Frühwarnsystem soll es erkennen, wenn ein Anfall droht - viele Stunden bevor der Patient es selbst bemerkt. Das kann helfen, Anfälle zu verhindern. Über ein smartes Pflaster auf der Brust werden Hustenrhythmus, Atemverhalten, Temperatur und weitere Parameter gemessen und der Patient wird gewarnt, wenn Abweichungen auftreten. Die Anerkennung durch die amerikanische Zulassungsbehörde FDA wird angestrebt.

Das Blutdruckmessgerät `QardioArm´ von Qardio ist dagegen bereits durch die FDA zugelassen und klinisch validiert, um die US-amerikanischen und europäischen Standards zu erfüllen. Es ermöglicht, den eigenen Blutdruck ohne Klettverschluss und Aufpumpen zu messen. Das `QardioCore´ ist ein Brustgurt, der ohne Kabel und Pflaster die Körpertemperatur, sowie die Atem- und Herzfrequenz präzise misst. Qardio wirbt damit, dass Grafiken Entwicklungen anzeigen, die Patienten ganz einfach mit ihrem Arzt teilen können. So etwas könnte künftig mehr Information über die Vitaldaten des Patienten im Zeitverlauf bereitstellen aber auch für Ärzte zur wachsenden Herausforderung werden.

„Arzt und Patienten sollten näher zusammenrücken. Wir sollten die Technologie nutzen wie Online-Systeme oder Apps, um den Dialog zwischen den Arztbesuchen aufrechtzuerhalten und zu vertiefen“, das hebt Horst Merkle, Direktor Diabetes Management Solutions bei Roche Diagnostics und Präsident der Continua Health Alliance hervor. Hilfreich wäre hier eine bessere Standardisierung der Schnittstellen, damit der Arzt die Daten der unterschiedlichen Geräte auslesen und auswerten kann. Und dies gilt nicht nur im Diabetes-Umfeld.

In der zweiten Wearables Session am Dienstagnachmittag, 15. November, werden unter anderem Beispiele wie Schlaftracking, Sensoren zur Rehabilitation von Spitzensportlern, eine medizinisch zertifizierte Multisensorplattform zur Messung von Körper- und Vitaldaten am Oberarm, oder eine intelligente Einlegesohle zur Bewegungsanalyse vorgestellt.

MEDICA APP COMPETITION 2016

Zahlreiche Entwickler nicht nur aus Deutschland, sondern auch Bangladesh, Bulgarien, Frankreich, Ghana, Schweiz und den USA haben bereits die Chance genutzt, sich für die Teilnahme an der MEDICA APP COMPETITION 2016 zu bewerben (Bewerbungsfrist: 30. September 2016). Entwickler aus aller Welt waren aufgerufen, ihre `Medical Mobile Solution´ für den Contest einzureichen. Sie eröffnen sich so die Chance, am Live-Wettbewerb um die beste mobile Lösung für den Einsatz im Arzt- und Klinikalltag bei der MEDICA 2016 in Düsseldorf am Mittwoch, 16. November, teilzunehmen (Halle 15, Bühne des MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM).

Viele Daten und ein Fragezeichen – die elektronischen Patientenakte

Wie weit die Digitalisierung im Gesundheitswesen gehen kann, das wird im Rahmen des MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM bereits am Montagnachmittag, 14. November, deutlich. Von Wearables über Apps bis hin zur Digitalisierung des gesamten Gesundheitssystems: Es wird etwa darum gehen, wie die vielen, im Rahmen des Versorgungsprozesses generierten Daten in Form einer elektronischen Patientenakte nutzbar gemacht werden können – und wie dies in das Umfeld der Telematik-Infrastruktur passt. Während die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte mit der entsprechenden Infrastruktur in Deutschland ein Anlass für jahrelange Diskussionen ist, wird in anderen Ländern vieles bereits konkret umgesetzt – beispielsweise in Skandinavien, in der Schweiz und Österreich.

Das internationale MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM in Halle 15 (Stand C24) ermöglicht mit seinem ganztägigen Programm Einblicke in eine Bandbreite von relevanten digitalen Entwicklungen, die das Gesundheitswesen in allen Bereichen stark verändern wird.

Alle Informationen zum MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM sind online abrufbar unter:

http://www.medica.de/mchf1

Autorenhinweis: Dr. Lutz Retzlaff, freier Medizinjournalist (Neuss)

Foto: Kind mit Smart-Plaster im Schulterbereich

Foto: Das smarte Pflaster ADAMM von Health Care Originals ist eine Innovation für alle Asthma-Patienten.

Foto: Frau mit Smart Watch

Foto: Frau mit Smart Watch Fitness Tracker von Firstbeat

Foto: Mann mit Smart Watch Fitness Tracker

Foto: Mann mit Smart Watch Fitness Tracker von Firstbeat

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