Windpockenimpfung zahlt sich langfristig aus

Die Windpockenimpfung schützt Kinder sicher vor einer Windpocken-Erkrankung. Ein indirekter Effekt der Impfung ist jedoch ein möglicherweise erhöhtes Risiko einer Gürtelrose-Erkrankung bei nicht gegen Windpocken geimpften Erwachsenen.

21.03.2016

 
Foto: Kleines Kind wird geimpft

Langfristig für die Windpockenimpfung zu weniger Fällen von Gürtelrose; ©panthermedia.net/ stalnyk

Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben diesen Zusammenhang analysiert und gezeigt, dass zwar kurz- bis mittelfristig dieses Risiko besteht, die Windpockenimpfung langfristig aber zu weniger Gürtelrosefällen führt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Journal Human Vaccines & Immunotherapeutics.

Der Zusammenhang zwischen Gürtelrose und Windpocken ist seit langem bekannt. Während der ersten Infektion, die meist im Vorschulalter geschieht, löst das Varizella-Zoster-Virus Windpocken aus. Wie auch bei anderen Herpesviren, beispielsweise dem für Lippenherpes verantwortlichen Herpes Simplex-Virus, verbleibt das Varizella-Zoster-Virus auch nach überstandener Krankheit im Körper und kann in jedem Alter zu Gürtelrose führen, am ehesten dann, wenn die Abwehrkräfte des Menschen durch schwere Krankheiten oder altersbedingt stark geschwächt sind. Auch wenn der endgültige Beweis dafür fehlt, weisen inzwischen mehrere epidemiologische Studien darauf hin, dass Kontakt mit an Windpocken erkrankten Kindern das Risiko für Gürtelrose senken kann. "Damit würde der positive Effekt der allgemeinen Windpockenimpfung auf die Krankheitslast bezüglich Windpocken im Kindesalter, wie er seit der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Jahr 2004 zu beobachten ist, sich für Ältere eventuell nachteilig auswirken", sagt Johannes Horn, Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe Epidemiologische und Statistische Methoden am HZI. Darüber hinaus besteht ein Risiko, dass sich das Erkrankungsalter für Windpocken bei bisher ungeimpften Personen nach oben verschiebt, mit dadurch einhergehenden deutlich schwereren Krankheitsverläufen und erhöhten Komplikationsraten. Umgekehrt haben gegen Windpocken geimpfte Personen ein deutlich reduziertes Risiko, je an Gürtelrose zu erkranken. Diese komplexen Zusammenhänge in Bezug auf die Windpockenimpfung werden immer wieder kontrovers diskutiert.

Horn und seine Kollegen von der Universität Bielefeld, vom Robert Koch-Institut, vom University Medical Center Utrecht sowie der Universitätsmedizin Freiburg haben in einem von der STIKO in Auftrag gegebenen und vom Robert Koch-Institut finanzierten Projekt die möglichen Auswirkungen der Windpocken-Impfung mithilfe eines mathematischen Modells analysiert. "Wir haben festgestellt, dass der diskutierte indirekte Effekt der Windpockenimpfung auf die Gürtelrose zwar kurz- bis mittelfristig eintreten kann, langfristig aber die positiven Effekte überwiegen", sagt Horn. "So kann es für circa 30 Jahre zu einer Erhöhung der Fälle von Gürtelrose kommen, langfristig werden die Erkrankungszahlen jedoch deutlich fallen." Darüber hinaus zeigte das Modell eine dauerhafte Absenkung der Windpockenfälle in der Altersgruppe der unter Zehnjährigen, wohingegen in den älteren Altersgruppen die Anzahl der Windpockenfälle wahrscheinlich stabil bleibt, beziehungsweise im sehr ungünstigen Fall auch steigen kann.

Werden Erkrankungsfälle bezüglich Windpocken im Kindes- und Erwachsenenalter sowie Gürtelrose systematisch beobachtet, so kann das Ausmaß der genannten Effekte der Windpockenimpfung korrekt erfasst werden. Bei Anzeichen von negativen Effekten gibt es die Möglichkeit zum Beispiel mit einer Impfung gegen Gürtelrose oder einem systematischen Nachholen von Windpocken-Impfungen gegebenenfalls gegenzusteuern.

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Mehr über das HZI unter: www.helmholtz-hzi.de