Winzige Moleküle im Blut zeigen Herzinfarkt an

Jährlich sterben mehr als 60.000 Menschen in Deutschland an den Folgen eines Herzinfarktes, einer der nach wie vor häufigsten Todesursachen. Bei frühzeitiger Diagnose stehen heute jedoch sehr wirksame Behandlungsmethoden durch Medikamente und Herzkatheter zur Verfügung, die bleibende Schäden vermeiden oder begrenzen können.

Die Diagnostik des Herzinfarkts ist allerdings nicht einfach. Nur bei 50 Prozent der Betroffenen treten die typischen, ausstrahlenden Schmerzen in der Brust und eindeutige Veränderungen im Elektrokardiogramm (EKG) auf. Daher kommt Bluttests ein hoher Stellenwert zu. Dabei wird nach sogenannten Biomarkern wie dem Eiweiß Troponin T gefahndet: Troponin T kommt nur im Herzmuskel vor und tritt bei Schädigung der Herzzellen ins Blut über. Eine aussagekräftige Menge an Troponin T findet sich allerdings erst drei bis sechs Stunden nach dem Infarkt im Blut.

Anders bei den neu entdeckten Biomarkern: Die sogenannten microRNAs zeigen den Herzinfarkt bereits in den ersten drei Stunden nach dem Infarkt an. „MicroRNAs werden vermutlich nicht nur aus den beschädigten Herzzellen freigesetzt, sondern auch von weißen Blutkörperchen als Reaktion auf den Infarkt gebildet“, erklärt Meder. „Daher verändert sich ihre Konzentration im Blut noch schneller als bei den gängigen Biomarkern.“

In einer Pilotstudie untersuchten die Heidelberger Forscher erstmals systematisch alle 860 bekannten menschlichen microRNAs im Blut von Herzinfarktpatienten. Dabei identifizierten sie 67 microRNAs, die bei den Betroffenen in ihrer Konzentration verändert waren.

„Mithilfe eines neuen Verfahrens zur Mustererkennung haben wir eine einmalige Signatur von microRNAs identifiziert, die zu einem sehr frühen Zeitpunkt bereits sehr spezifisch einen Herzinfarkt anzeigt“, so Meder. „Während zum Beispiel der Troponinspiegel im Blut auch bei Lungenembolien oder Herzmuskelentzündungen erhöht ist, gehen wir bei den microRNAs davon aus, dass diese spezielle Signatur nur bei Herzinfarkten auftritt.“ Zudem lässt sich anhand bestimmter Markerkombinationen auch die Größe des Infarktes früh abschätzen und erlaubt so eine schnelle Identifizierung besonders gefährdeter Patienten.


MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg