Tumore: Winzige Partikel drosseln die Durchblutung

09.08.2013
Foto: Zellen

Die neuen Partikel können den minimal-invasiven Eingriff über einen Gefäßkatheter in Zukunft noch siche-
rer machen; © panthermedia.net/
Kheng Ho Toh

Neue Kunststoffpartikel, die die Blutzufuhr zum Tumor stoppen, können mit verschiedenen bildgebenden Verfahren sichtbar gemacht werden.

Dies hat Dr. Ulrike Stampfl, Radiologin am Universitätsklinikum Heidelberg, in Tierversuchen gezeigt. Dadurch kann das Behandlungsergebnis in Zukunft besser beurteilt und somit optimiert werden.

Im Tierversuch prüfte die Forscherin ein Verschlussmaterial, das sowohl bei der Röntgenkontrolle (Angiographie) während der Injektion – ohne zusätzliche Gabe von Kontrastmittel – als auch später in der Computer- und Magnetresonanztomografie sichtbar ist. Ihr Fazit: Die neuen Partikel können den minimal-invasiven Eingriff über einen Gefäßkatheter in Zukunft noch sicherer machen und erlauben eine präzise Kontrolle des Behandlungsergebnisses.

Die minimal-invasiven Katheterverfahren stellen bis heute wichtige Werkzeuge der interventionellen Radiologie dar. Eines dieser Verfahren ist die sogenannte Embolisation, die u.a. in der Krebstherapie zum Einsatz kommt. Dabei unterbrechen Radiologen die Blutzufuhr zu einem Tumor, indem sie winzigste Partikel über einen Katheter in dessen Blutgefäße injizieren. Die Partikel verschließen die Gefäße zum Tumorinneren und blockieren die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung – der Tumor wird sensibel für nachfolgende Therapien mit Medikamenten.

Platzierung des Katheters und Freisetzung der Partikel werden unter Röntgenkontrolle (Angiographie) durchgeführt. Die dazu verwendeten Partikel, meist aus Kunststoff, heben sich bei der Röntgendurchleuchtung allerdings nicht von ihrer Umgebung ab und sind in der Angiographie nicht direkt zu erkennen. Damit die Radiologen während des Eingriffes trotzdem verfolgen können, wohin sich die Partikel verteilen, vermischen sie diese mit Kontrastmittel.

Die neuen Kunststoffpartikel sind dank minimaler Metalleinlagerungen für Röntgenstrahlung undurchdringlich und erzeugen zudem Signale bei der Magnetresonanztomograpie (MRT). „Unsere Tests haben ergeben, dass die neuen Partikel tatsächlich sehr gut mit den verschiedenen bildgebenden Verfahren darzustellen sind. Sie erleichtern dadurch die Kontrolle während des Eingriffs selbst, aber auch die Nachkontrolle mittels MRT und Computertomographie. Wir können direkt überprüfen, wie sich die Partikel in den Gefäßen verteilt haben“, sagt Stampfl.

Die Vorteile für den Patienten: Der Radiologe kann während der Injektion der Partikel besser erkennen, ob Partikel in unerwünschter Richtung abdriften, und gegebenenfalls den Katheter neu platzieren. Der Eingriff kann daher noch sicherer und, da während der Injektion auf Kontrastmittel verzichtet werden kann, auch schonender durchgeführt werden. Zudem eröffnen die sichtbaren Partikel neue Forschungsansätze auf diesem Gebiet.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg