Wirksamkeit von Immunglobulinen bei multifokaler motorischer Neuropathie

Photo: Ein Mann und eine Frau im Labor

Multifokale motorische Neuropathie
zwingt viele Patienten in den Rollstuhl;
© panthermedia.net/Jenny Sturm

Leonard H.Van den Berg ist Koordinator der Abteilung Neuromuskuläre Erkrankungen am Medizinischen Zentrum der Universität Utrecht. Er konnte zeigen, dass eine frühzeitige Behandlung der Patienten mit intravenösen Immunglobulinen (IVIg) den Zerfall der Nervenfortsätze (axonale Degeneration) sowie bleibende Defizite verzögern kann. „Auch den deutschen Patienten wird diese Arbeit nutzen“, kommentiert Professor Martin Stangel, leitender Oberarzt an der Neurologischen Klinik der MH Hannover, „Die Art und Weise, wie Neurologen und Patientenverbände hier zusammengearbeitet haben, ist ebenso vorbildlich wie der Gebrauch einer landesweiten Datenbank zur Erfassung von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen.“

Die niederländischen Neurologen hatten das Ziel verfolgt, alle MMN-Patienten unter den 16,4 Millionen Einwohnern der Niederlande zu identifizieren und erneut zu untersuchen. Erst vor 20 Jahren war die multifokale motorische Neuropathie als eigenständiges Krankheitsbild beschrieben worden, dessen Hauptmerkmale isolierte Leitungsblöcke sowie eine langsam fortschreitende, asymmetrische Schwächung der Extremitäten sind. Angesichts der Seltenheit des Leidens und der Ähnlichkeit mit ALS suchten die Studienärzte nach möglichst vielen Betroffenen, um den typischen Verlauf der MMN zu erfassen sowie die Wirksamkeit der Standardtherapie zu messen. Diese besteht aus der intravenösen Gabe von Immunglobulinen.

Die Suche nach MMN-Patienten ergab eine Häufigkeit der Erkrankung von mindestens 0,6 pro 100.000 Einwohnern. Dabei bestätigte sich nicht nur, dass dieses Leiden vorwiegend Männer trifft (64 Prozent in dieser Untersuchung), sondern auch, dass die ersten Symptome bei Männern früher, durchschnittlich im Alter von 38 Jahren auftreten, im Gegensatz zu einem Durchschnittsalter von 45 Jahren bei Frauen. Weil es wenig verlässliche klinische Zeichen für eine MMN gibt, sei eine Untersuchung der Nervenleitung unerlässlich, betonen van den Berg und Kollegen. Professor Stangel: „Die Daten bestätigen eindrücklich, dass die Therapie mit intravenösen Immunglobulinen im klinischen Alltag effektiv ist, und unterstreichen die Empfehlungen der EFNS und DGN. Auch zeigt sich, dass eine frühe Therapie für die Prognose entscheidend ist. Dies wurde bislang in dieser Deutlichkeit noch nicht dargestellt.“



MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie