Trotz verbesserter Behandlungsmethoden stirbt derzeit eines von vier leukämiekranken Kindern. Bei Erwachsenen ist die Prognose noch schlechter: Drei von fünf erkrankten Erwachsenen überleben die Blutkrankheit nicht. Den derzeit wirksamsten Ansatzpunkt für neue Behandlungsmethoden bilden die genetischen Ursachen der Krankheit.

An einer dieser Ursachen setzt der vor wenigen Jahren zugelassene Wirkstoff Imatinib an, der bei der Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie (CML) eingesetzt wird. Der Wirkstoff kann das Eiweiß BCR/ABL, das die Krankheit verursacht, sozusagen abschalten. Trotz seiner guten Wirkung kann aber auch Imatinib gegenüber einzelnen Leukämiezellen machtlos werden - nämlich dann, wenn diese eine Resistenz gegenüber dem Medikament ausbilden.

Krebsforschern ist es nun gelungen, eine rationale Kombinationstherapie zu erforschen, die Imatinib mit weiteren Wirkstoffen ergänzt. Dank dieser Therapie kommt es im Krankheitsverlauf möglicherweise weniger häufig zur Ausbildung resistenter Zellen beziehungsweise kann die Entstehung von Resistenz durch eine früh einsetzende Behandlung durchbrochen werden.

Offenbar können auch solche Leukämiezellen getötet werden, die die Behandlung mit Imatinib sonst überstanden hätten, indem man nämlich die Substanz Everolimus (RAD001) verabreicht, die den so genannten Pl3-Kinase-Signalweg blockiert. Dieser Wirkstoff wird bereits klinisch eingesetzt, nämlich vor allem in der Transplantationsmedizin.

Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler zeigen, dass auch das Vitamin-A-Derivat ATRA in Kombination mit dem Antiepilepsiemittel VPA in der Lage ist, erkrankte Zellen in den Zelltod zu treiben. Dieses Vorgehen hat sich bei einer weiteren wichtigen Leukämievariante, der BCR/ABL-positiven akuten lymphatischen Leukämie (ALL), als erfolgreich erwiesen.

MEDICA.de; Quelle: Blood 2006, Vol. 107, S. 2094–2097