Wirkstoffdosis hängt von Genvariante ab

Ein Gen bestimmt, wieviel Blut-
verdünner nötig ist; © PixelQuelle.de

Patienten, die wegen einer krankhaft erhöhten Blutgerinnung auf blutverdünnende Medikamente angewiesen sind, bekommen häufig Cumarine verschrieben. Diese unterdrücken die Bildung der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X und verbessern so die Fließfähigkeit des Blutes. Ein schwerwiegender Nachteil dieser Medikamentgruppe ist die schwierige Dosiseinstellung, da die Patienten individuell sehr unterschiedliche Mengen benötigen. Bislang tasteten sich die Mediziner für jeden Patienten schrittweise von einer durchschnittlichen Anfangsdosis an die passende Menge heran. Eine zu kleine Anfangsdosis kann dabei zu einem erneuten Infarkt, eine zu hohe Dosis zu schweren Blutungen führen.

Verschiedene Befunde weisen drauf hin, dass die individuelle genetische Ausstattung eine Schlüsselrolle bei der Cumarin-Empfindlichkeit spielt. Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Johannes Oldenburg vom Universitätklinikum Bonn konnte kürzlich aufklären, an welchem Punkt der Blutgerinnung die Cumarine eingreifen: Sie inaktivieren ein kleines Molekül namens VKORC1, das bei der Gerinnung eine zentrale Rolle spielt. Damit wird das Blut fließfähiger.

Die Mediziner fanden nun heraus, dass das Gen, das für den Bauplan des VKORC1 verantwortlich ist, in verschiedenen Varianten vorkommt. Durch eine genetische Analyse von Patienten, die entweder sehr empfindlich oder besonders unempfindlich auf Cumarine angesprochen hatten, konnten sie eindeutige Zusammenhänge mit den gefundenen Genvarianten nachweisen. Die neuen Befunde können auch erklären, warum fast alle Asiaten auf niedrige Cumarindosen reagieren, während bei Afrikanern überwiegend hohe Dosen notwendig sind.

„Durch eine Analyse der Genvarianten können nun bereits im Vorfeld einer Behandlung mit Gerinnungshemmern Patienten mit niedrigem oder hohem Cumarinbedarf identifiziert werden“, erklärt Professor Oldenburg.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn