Professor Dr. med. Baptist Gallwitz vom Universitätsklinikum in Tübingen, bewertet den Wirkstoff Rimonabant, der im September 2006 in Deutschland eingeführt wurde, positiv. Denn es senkt das Körpergewicht. Das Medikament ist nicht speziell für Diabetiker zugelassen, sondern für Menschen mit starkem Übergewicht. Die Ergebnisse klinischer Studien bei 6.600 übergewichtigen Patienten zeigen laut Gallwitz, dass Rimonabant einen auch für Typ-2-Diabetiker günstigen Effekt hat:

Es verbessert die gestörte Wirkung des körpereigenen Insulinhormons - die Insulinresistenz - die eine wesentliche Ursache für den Typ-2-Diabetes ist. "Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c sank unabhängig von der Gewichtsabnahme, die viele Patienten sicherlich ebenfalls begrüßen werden", erläutert Gallwitz die Studienergebnisse.

Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes mellitus sind übergewichtig und nicht selten nehmen sie durch die Behandlung mit Tabletten oder Insulin weiter zu. Starkes Übergewicht birgt bei Diabetikern die Gefahr weiterer Erkrankungen. Wegen der damit verbundenen Stoffwechselstörung, dem so genannten Metabolischen Syndrom, erhöht sich das Risiko auf Spätfolgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Schäden an Nieren und Augen.

Zwei neue Substanzen könnten die Diabetes-Therapie zusätzlich weiter verbessern: Im Oktober 2006 wurde der Wirkstoff Sitagliptin in den USA zugelassen. Der Wirkstoff Vildagliptin befindet sich im Zulassungsprozess. Diese Medikamente sind in Deutschland noch nicht erhältlich. Beide hemmen ein im Darm vorhandenes Enzym - Dipeptidyl-
Peptidase-4 oder DPP-4 - und senken dadurch vor allem die Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten. Die Wirkung ist laut Professor Gallwitz "gewichtsneutral", was wegen der Gewichtszunahme bei anderen Mitteln bereits ein Vorteil ist.

DPP-4-Hemmer haben aber noch eine weitere Wirkung, die die Diabetes-Experten fasziniert: Bei Versuchstieren kam es in der Bauchspeicheldrüse zu einer Zunahme der Beta-Zellen, die das Hormon Insulin produzieren. Dies könnte bedeutet, dass DPP-4-Hemmer das Fortschreiten des Alterszuckers bremst. Ob dieser Effekt auch beim Menschen auftritt, ist laut Gallwitz aber noch nicht bekannt.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften