Wirkungslose Therapie als neuer Hoffnungskeim

Die neuen Medikamente gegen diese Form von Blutkrebs erwiesen sich zwar als wirkungslos, die Forscher gewannen jedoch neue und erstaunliche Erkenntnisse darüber, wie Leukämiezellen ihre Signalnetzwerke verändern.

Die Mehrheit von Patienten, die unter einer bestimmten Form von Blutkrebs leiden, der chronischen myeloischen Leukämie (CML), spricht sehr gut auf die Behandlung mit sogenannten Tyrosinkinasehemmern an. Dazu gehört beispielsweise der Wirkstoff Imatinib. Mit zunehmender Krankheitsdauer kann es jedoch passieren, dass die Patienten Resistenzen entwickeln und auf den Wirkstoff nicht mehr ansprechen. Deshalb wird nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten gesucht. Jüngste Forschungen konzentrierten sich auf ein Enzym, von dem vermutet wird, dass es an einer anderen Stelle des CML-Krebsgeschehens angreift: die sogenannte JAK2-Kinase. In gesunden weißen Blutzellen aktiviert die JAK2-Kinase das STAT5-Protein, ein Schlüsselfaktor der Leukämie-Entstehung. Man hoffte deshalb, durch die Hemmung von JAK2 das STAT5 gezielt ausschalten zu können und damit das Leukämiegeschehen zu stoppen.

Die Geschichte hat aber einen grundlegenden Haken. Bis heute verstehen Forschende nicht, was genau passiert, wenn JAK2 in CML-Zellen deaktiviert wird. Ein Team unter der gemeinsamen Leitung von Sexl und Superti-Furga konnten diese Wissenslücke nun schließen. Ihre Untersuchungen mit transgenen Mausmodellen ergaben unerwartete Erkenntnisse: So ist wider Erwarten die JAK2-Kinase am CML-Krebsgeschehen nicht entscheidend beteiligt. Das heißt, dass das Hemmen von JAK2 keinen Behandlungseffekt zeigen kann. Sexl dazu: „Das bedeutet, dass bei CML die normalen Signalwege offenbar umgeleitet werden: Die Aktivität von STAT5 wird nicht mehr über JAK2 gesteuert, sondern gerät unter die direkte Kontrolle des für das Krebsgeschehen verantwortlichen fehlerhaften Gens.“

Superti-Furga: „Diese Ergebnisse schaffen eine mögliche neue Ausgangsbasis für die Forschung zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien bei therapieresistenten CML-Patienten. Die sollte sich nun auf STAT5 selbst konzentrieren“. Bei Patienten, die nicht oder nicht mehr auf Wirkstoffe wie Imatinib ansprechen, ist also auch durch JAK2-Hemmer kein Therapieerfolg zu erwarten. „Derzeit gibt es keine Grundlage dafür, Leukämiepatienten JAK2-Hemmer zu verschreiben. Wenn wir den Patienten helfen wollen, die nicht auf Wirkstoffe wie Imatinib ansprechen, müssen wir uns stattdessen auf die Entwicklung von STAT5-Hemmern konzentrieren“, erklärt Sexl.

MEDICA.de; Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien